Es begab sich 1948 zu Dieppe, im Norden der Grande Nation, als der seinerzeit jüngste Renault-Vertragshändler Frankreichs den lokalen Automobilhändler-Konkurrent von Peugeot herausforderte. Und wenngleich die Löwen-Schmiede aus Sochaux just  ihr völlig überarbeitetes Nachkriegsmodell 203 lanciert hatte, das gerade als das Nonplusultra französischen Automobilbaus gefeiert wurde, trat der Renault-Jungspund Emile Rédélé mit einem vom Entwurf her deutlich älteren 4CV an. Und gewinnt trotzdem, denn das Cremeschnittchen ist leichter, drehfreudiger und damit agiler als der stärkere aber auch schwerfälligere Peugeot. Der Startschuss für Rédélés Rennsportkarriere und letztendlich auch für die daraus gewachsene Marke Alpine ist gesetzt, und schon bald fährt der Nordfranzose der Konkurrenz auf und davon. Manchmal sogar den Zuschauern: Bei der Mille Miglia 1954 erreicht er vor leeren Zuschauertribünen das Ziel. So schnell hatte man ihn gar nicht am Finish erwartet.
Die Renault-Jünger Andreas Gaubatz und Jan Erhartitsch haben viele solche Geschichten und Geschichtchen zusammengetragen, das macht ihr Werk „Renault Alpine, Geschichte – Technik – Mythos“ so unterhaltsam. Zudem beweisen sie auf 224 Seiten profunde Sachkenntnis, die allerdings streckenweise...

...so weit geht, dass sich dem weniger frankophilen Leser der wiederholt verwendete Begriff „Butterklumpen“ nicht erschließt (Es ist der französische Spitzname des bei uns Cremeschnittchen genannten 4CV). Auch die Erklärung zu „Dauphine“ (französisch für Thronfolgerin) ist für nicht-frankophile schwer zu folgen. Trotzdem macht das Schmökern richtig Laune. Die Erzählung ist gespickt mit Exkursen zu den Menschen, die Alpine im Laufe der Zeit zur Seite standen. So ist der zweite Name, der einem beim Thema Renault – Motorsport in den Sinn kommt, Gordini. Während Alpine von Anfang an auf eigene, optimierte Karosserien gesetzt hat, blieb Amédée Gordini jedoch beim Blechkleid, wie es aus dem Stammwerk kam. Außerdem werden die Fahrzeuge aus dem Renault-Programm beleuchtet, die als „Technikspender“ für die Alpine-Konstruktionen fungierten.
Im Nachgang folgen technische Daten bis hin zum Renault 5 Turbo und Spider, dazu Anzeigen und Prospekte. Abgerundet wird das Werk durch den Ausblick auf die Alpine A110-50, von der 2012 erste Prototypen gesichtet werden. Inzwischen folgten die Prototypen Celebration und Vision, bis 2017 in Genf die Alpine A110 vorgestellt wurde, die auch in Produktion geht. Von der Première Edition sind bereits alle Exemplare reserviert, aktuell können die Versionen A110 Pure und A110 Légende vorgemerkt werden. Auslieferung ebenfalls dieses Jahr (2018).
Abschließend wird die Alpine-Geschichte in einer übersichtlichen Chronologie zusammengefasst, falls man in den Schilderungen davor den Überblick verloren hat. Komplettiert wird das Werk durch ein Verzeichnis nicht nur bereits vorhandener Publikationen, sondern auch von Clubs, Museen und einer europaweiten Linkliste.

Renault Alpine, Geschichte – Technik – Mythos, Andreas Gaubatz / Jan Erhartitsch
Motorbuch-Verlag, ISBN-13: 978-3613037977, 34,90 €

 

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