120 Jahre Renault

Spätestens alle zehn Jahre werden runde Geburtstage gefeiert. Auch bei Autoherstellern - zumindest bei den traditionsbewussten. Einer der größten Hersteller der Welt, zusammen mit Nissan, ist Renault. Und der feiert in diesem Jahr seinen hundertzwanzigsten – zu Weihnachten.
Wie kaum einem anderen Autobauer gelingt es Renault, einerseits die Massen zu mobilisieren und andererseits immer wieder das Besondere, den Aha-Effekt zu realisieren. Hier der „französische Käfer“ Renault 4CV, der R4, R5 oder der Clio und da der Renault Alpine, der Espace oder der Avantime oder gar die Formel 1. Mit allen hat die „Regie“ immer wieder Automobilgeschichte geschrieben.
Und kaum ein anderer hat derart viel Motorenkompetenz. Selbst bei der Elektromobilität hat Renault die Nase vorn.
Und ganz nebenbei ist der Konzern auch noch LKW- und Omnibushersteller – schon sehr lange.
Seiner Tradition scheint er sich allerdings erst in letzter Zeit so richtig bewusst zu werden. Die „Abteilung“ Renault Classic umfasst eine Sammlung mit mehr als 740 Fahrzeugen, die aktuell als „Wanderausstellung“ bei den diversen Oldtimer-Events agiert, mangels eines „richtigen“ Werksmuseums. Und die virtuelle Ausstellung unter www.renaultclassic.com gibt es auch erst seit 2011.
Für uns ist das Jubiläum natürlich Verpflichtung und Freude, die Firmengeschichte im Laufe des Jahres 2018 aufzublättern.
Viel Spaß dabei!

Ihre Redaktion Oldtimerreporter

Seealpen - Korsika - Berlin. Unser Autor hat den Renault 25 der "Phase eins" (1984-1989) in Berlin erwischt. Fotos (2): Oldtimerreporter.Eichbaum


Als Nachfolger der prestigereichen Sechszylinder-Modelle vom Typ Renault 30 und der nicht ganz so repräsentativen Renault 20 mit Vierzylinder-Motoren rollte ab April 1984 der Renault 25 in die Vorführräume der Händler. So wahrscheinlich auch in den der Garage Primevere in Poisat, einem Vorort von Grenoble.
„Natürlich Madame, auch der neue Renault 25 ist ein prima Reisewagen. Damit können Sie problemlos nach Berlin-Reinickendorf fahren, um Ihren dort stationierten Sohn zu besuchen“ hatte es möglicherweise geheißen.
Fakt und nicht Fiktion ist jedoch, dass dieser R 25 der ersten Serie Anfang 2018 in Berlin zu Gast war, das Händlerschild immer noch auf dem Lack in einer der damals so angesagten Bronzenuancen prangend. Kaum verwunderlich bei dem rundum äußerst gepflegten Zustand der bei 272 cm Radstand 462 cm langen, 177 cm breiten und 141 cm hohen Schrägheck-Limousinen mit großer Heckklappe samt Abrisskante.

„Im Gegensatz zu Ihren Nachbarn im 505 dieser, äh, anderen Marke haben Sie dank des Renault-typischen Frontantriebs auch keine Schwierigkeiten mit der winterlichen Witterung unserer alpinen Region. Bei Eis...

Schon immer bedienten Zulieferer den Wunsch der Kunden nach
Individualität. Diese Dauphine trägt zeitgenössischen Zubehör-Schmuck.
Foto: Oldtimerreporter.Gaubatz


Vom Erfolg des kleinen 4CV, dem Cremeschnittchen, überrascht, aber auch berauscht, verfügt Renault-Chef Pierre Lefaucheux, dass man mit diesem Konzept nachlegen müsse. Und gibt den Start frei für das Projekt 109. 1956 ist es dann soweit, ein neues Auto steht bereit.
Aber wie soll es heißen? Welchen Namen sollte man dieser Schönheit geben? Marcel Wiriath, Mitglied des Verwaltungsrates bei Renault und Chef der Bank „Credit Lyonnais“ bringt es auf den Punkt: „Nun, die 4CV war ist die Königin des Erfolgs. So kann die Neue nur die Thronfolgerin sein!“ - Im Französischen sind alle Autos weiblich.
Und französisch für Thronfolgerin heißt „Dauphine“. Allerdings verführt diese Ausführung aus heutiger Sicht zu der Annahme, mit der Dauphine wollte Renault einen 4CV-Erben lancieren. Doch dem ist nicht so. Denn die Dauphine ist von Anfang an als Vertreter einer höheren Fahrzeugklasse geplant und außerdem wäre eine Ablösung des 4CV wirtschaftlicher Irrsinn gewesen.
Pierre Lefaucheux erlebt die Geburt seiner Thronfolgerin leider nicht mehr, er stirbt im Februar 1955 bei einem Verkehrsunfall. Dennoch, die Dauphine wird...

„Kaum ein Auto vermittelte den Deutschen so viel von der französischen Lebensart wie der Reanult 4“, schreibt Michael Fischer, Regionalleiter des Deutschen Alpine und Renault Club in seinem Vorwort zu dem hier vorliegenden Buch „Renault 4“ der beiden Autoren Andreas Gaubartz und Jan Erhartitsch. Im Wettstreit mit der legendären „Ente“ von Citroen habe der Renault 4 mehr an Auto geboten. Dies wohl hätte den Ausschlag gegeben, dass östlich des Rheins – und dabei muss man natürlich anmerken: und westlich der Elbe – dieses „Mehr“ den „Unterschied zwischen der reinen Fortbewegung und dem Autofahren ausmachte.“
„Praktisch und klassisch wie eine Blue Jeans“, sollte das Auto sein, dass Renault-Generaldirektor Pierre Dreyfus 1956 in Auftrag gab: Großer Innenraum, knappe Maße, vier Türen, große Heckklappe und eine leichte Bedienung. Ein Auto sowohl für Familien als auch für Bauern und Handwerker – praktisch, preiswert und tauglich für das Fahren auf der Autobahn. Letzteres war schon über die Landesgrenze hinaus gedacht: Die Deutschen als wichtiges Käuferpotential für den Neuling.  Marie-Chantal – so der Codename des Modells 112, übrigens der erste Renault mit Frontantrieb – wurde ausgiebig getestet. Bei 22 Grad minus...

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