Aufgereihte Wartburg-Geschichte: Vorn die 1.3-Limousine mit den ab Werk lieferbaren Leichtmetallfelgen. Dahinter die nur rund 900 mal gebaute Pick-Up-Version "Trans".                                                                                     Foto: Klaus Nahr


Das letzte Aufbäumen der Automobilwerke Eisenach, der Wartburg 1.3, wird 30. Dabei ist seine Historie voller interessanter Details: So gehört das Werk unter der Burg zum erlesenen Kreis deutscher Autobauer, die schon vor der Jahrhundertwende Kraftfahrzeuge produzierten.
1896 wurde die Fahrzeugfabrik Eisenach (FFE) von Heinrich Ehrhardt gegründet. Dieser hatte gerade einen Großauftrag der preußischen Militärverwaltung an Land gezogen, der die Kapazitäten seiner zwei bereits existierenden Standorte deutlich überstieg. So wurde in Eisenach mit einem Stammkapital von 1,5 Millionen Mark ein drittes Werk gegründet: die FFE. Nach verschiedener Militärtechnik sowie Fahrrädern wurde bereits zwei Jahre später der erste Motorwagen produziert: eine Lizenz der französischen Zweizylinder-Voiturelle „Decauville“.
Ab 1904 liefen die Wagen aus Eisenach unter dem Namen Dixi. Nach dem Ersten Weltkrieg folgten wirtschaftlich schwierige Zeiten, weshalb die neuen Dixi eher Kleinwagen-Format hatten. Das Unternehmen litt jedoch weiter unter der Weltwirtschaftskrise, letztendlich übernahm BMW 1928 die Fahrzeugfabrik Eisenach. Der Dixi hieß nun BMW,  und ab 1933 startete BMW dort die Produktion der 3er Reihe, vom 303 über den berühmten 328 bis hin zum 335, später kamen auch die blau-weißen Motorräder aus Eisennach.
Nach dem Krieg befand sich...

...das Werk in der sowjetischen Besatzungszone, es wurden aber weiterhin Entwürfe von BMW gebaut. 1952 wurde das Unternehmen verstaatlicht, und 1953 ordneten die neuen Chefs downsizing, wie man heute sagen würde, an. Aus Zwickau wanderten die Produktionsanlagen des Vorkriegs-Zweitakters F9 (ex-DKW) nach Eisenach, sehr zum Unmut der EMW-Werker. 1955 schließlich stellt die inzwischen in AutomobilWerke Eisenach umbenannte Fabrik den bekannten Wartburg 311 vor, die erste Nachkriegs-Neuentwicklung.
1966 folgte schließlich die letzte große Modernisierung: die zeitgemäße Karosserie des Wartburg 353 rollte vom Band.
Die Eisenacher Ingenieure waren derweil durchaus fleißig und entwickelten bereits Anfang der 60er Jahre einen Viertakt-Motor, doch der politischen Führung behagte das nicht. 1972 war ein 1,6-Liter-Viertaktmotor mit 82 PS entwickelt, der perfekt in den 353 gepasst hätte, doch die sozialistische Planwirtschaft sah dies nicht vor.
Also blieb es beim Zweitakter, der vor allem auf den wenigen, für die DDR-Wirtschaft so kostbaren Exportmärkten mehr und mehr an Akzeptanz verlor. Als dort im Laufe der 80er Jahre der Absatz komplett einbrach, hatte man in Eisenach keine Motorenalternative, die dem aktuellen Stand der Technik entsprach.
1987 bekamen die AWE den kurz zuvor von der politischen Führung erworbenen 1,3-Liter-VW-Motor des Polo 86c verordnet. Die notwendigen Anpassungen waren allerdings um Längen aufwendiger als beim 1972 entwickelten Motor.


Rallye-Version: Wegen des 1,3-Liter-VW-Motors ist der letzte Wartburg leicht zu tunen und ist heute noch bei Histo-Rallyes zu finden. Dieses Fundstück haben wir in Berlin-Lichtenberg angetroffen.
Foto: Oldtimerreporter.Haehnel


Zum neuen Motor bekam der jetzt Wartburg 1.3 genannte Wagen ein Vierganggetriebe, die kostenintensiven Anpassungen an die moderne Technik trieben den Neupreis auf stolze 30.000 Ostmark. Wer beizeiten einen Wartburg bestellt hatte, war auf diese Preisexplosion nicht vorbreitet, und nach der Währungsunion im Juli 1990 waren für die Wartburg-Besteller „West-Fahrzeuge“ für viel weniger Geld bei deutlich besserer Ausstattung verfügbar. In Konsequenz wurden die letzten Wartburg für kleines Geld verschleudert.
Kurz vor Schluss, 1990, stieg Opel bei den AWE ein, in Folge gab es ab 1991 Sitze und Türgriffe vom E-Kadett. Am 10. April 1991 rollte der letzte Wartburg vom Band.

Noch sind die verbliebenen von den immerhin 150.000 Mal gebauten 1.3-er Exemplaren günstig zu haben. Laut Kraftfahrbundesamt sind etwas mehr als tausend Stück aktuell zugelassen - weit weniger als zum Beispiel vom Käfer.
Doch legen sie bereits – wie auch der 353 - kräftig in Wert zu, wenn auch zunächst nur prozentual. Gern genommen wird der Tourist genannte Kombi, extrem selten ist mit nur 900 gebauten Exemplaren die Pritsche, Trans genannt. Allen ist eins gemeinsam: Sie sind das letzte Stück Geschichte eines der ältesten Automobilbauer Deutschlands.

 

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