Hält als einer der wenigen in der Region die Lancia-Fahnen hoch: Fridolin Peppel mag besonders die Motoren-Kultur der sterbenden Marke.   
Fotos(4): Oldtimerreporter.Obuchoff


„Die Flavia Coupé 2000 habe ich 2014 in Sardinien gefunden. Es ist eines der schönsten Autos, die Lancia gebaut hat und aus dem Designstudio Pininfarina stammt“, erzählt Fridolin Peppel begeistert. „Ich bin deshalb zweimal auf die Insel geflogen. Erst schaute ich mir noch drei andere Wagen an, aber die Flavia war meine Wahl.
Vertrag gemacht, wieder nach Hause, dort alle Papiere und Probefahrtkennzeichen organisiert. Und dann schnell wieder nach Sardinien. Auf der Fähre sprach mich ein Schweizer an. Der bot mir ein paar Tausender mehr. Aber er hatte keine Chance. Die Flavia war meine.“
Diese Geschichte erzählt mir Fridolin Peppel in seiner Werkstatt in Heinersdorf bei Großbeeren. Seine 80 Jahre sehe ich dem ehemaligen Nachrichteningenieur nicht an.
Und in dem Mann mit den ölverschmierten kräftigen Händen vermutet auch man eher einen Autoschlosser. „Das ist ja nicht ganz falsch“, sagt Peppel. „Mein Vater war Kfz-Meister, und ich schraubte schon immer mit. Als es an die Berufswahl ging, riet mein Vater mir: mit Autos kennst du dich aus, das lernst du nebenbei bei mir. So kam ich zur Nachrichtentechnik.“
Peppel arbeitete dann bis zur Rente beim TV-Sender Deutsche Welle.
Natürlich ...

...wurden die Autos sein größtes Hobby. „Mein Vater war ein Liebhaber italienischer Autos. Und auch mein erster Wagen Anfang der 1960-er Jahre war ein Fiat“, erzählt er. Aber sein Vater schwärmte weniger für die Fiats, sondern war begeistert von den Lancias. Und er selbst hatte nie einen Lancia.


Bekannt nicht nur durch Rallye-Erfolge: Ein Lancia Fulvia Coupé findet sich auch in Peppels Schrauberparadies.


„Seinen Traum habe ich mir dann erfüllt, als ich mich auf meine Rentenzeit vorbereitete“, sagt Peppel, der mit einigen gleichartig gestrickten Oldie-Enthusiaten die Interessengemeinschaft Lanciafreunde Berlin gegründet hat.
 „Lancia war in den 1960-er Jahren den Zeiten weit voraus“, meint Peppel. „Die hatten schon früh den Frontantrieb und Scheibenbremsen.


Motorenkultur pur...


Auch die kompakten V-Motoren mit dem engen 13-Grad-Zylinderwinkel waren einzigartig. Den VR-Motor, den VW erst in den Achtzigern erfand, hatte Lancia also schon im Programm als es diese Bezeichnung noch nicht gab.“ Lancias Konstruktionsmerkmale werden bis heute von großen Unternehmen gern übernommen. „Wenn Sie sich einen ‚echten’ alten Lancia mal genau anschauen, werden Sie feststellen, dass es die letzten Autos sind, die mit Liebe von Ingenieuren konstruiert wurden“, behauptet der Lanciafreund.
2004 entdeckte Peppel sein erstes Restaurationsprojekt: eine Fulvia Berlina, die bei einem bayrischen Händler stand. „Je mehr ich mich mit den Fahrzeugen und deren Technik befasse, umso größer wird meine Bewunderung für die Lancia-Ingenieure der Nachkriegszeit. Die echten Lancias gibt es nur noch bis 1975, sie endeten mit der Fulvia.“ 1969 wurde Lancia von Fiat übernommen, die aufwendigen, hochwertigen Motoren und Fahrwerke liefen aus und wurden durch eine Art Einheitsbrei ersetzt. Lancia stand drauf und Fiat war drin.
All das erfahre ich von Peppel, in dessen Werkstatt noch ein Maserati Biturbo i Coupé, Baujahr 1987 aus dem Designbüro Zagato mit einem Tachostand von 89 000 KM steht – „den habe ich 2016 in Bayern gekauft, er stammt aber von einer 80-jährigen Deutschen aus Syrakrus auf Sizilien“ – und auch eine Fulvia Coupé Pininfarina von 1969 gehört dem Schrauber.
Der Ort jenseits der südlichen Berliner Stadtgrenze ist aber nicht nur Bastelstube der Lanciafreunde, sondern meist auch Ausgangspunkt für Ausfahrten in die schöne Umgebung der Hauptstadt.
Gut so. Denn auch die Tage des letzten aktuellen Lancia Ypsilon sind gezählt. Seit April 2017 wird er nur noch in Italien verkauft und ist trotz Fiat-Motor jetzt schon ein Klassiker. Von ihm gibt es in Deutschland nur rund 7000. Wer also noch einen Lancia in freier Wildbahn sehen möchte...

Obwohl Fiat als aktueller Markeninhaber zum "Totengräber" von Lancia wird, darf das 1600-er Coupé vorerst bleiben.

 

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