Doch. Die Blümchen machen die simple Renault-6-Front schon etwas attraktiver.                                                                       Foto: Rundvald


Er war so etwas wie ein Sechser in der Lotterie, ein Hauptgewinn. Einer, der die Moderne im konservativen Stil zu ergänzen wusste. Die Rede ist vom Renault 6. Wir erinnern uns. Nach dem Krieg startete Renault erfolgreich mit dem 4CV. Ein neues Auto, aber dem Käfer und dem Zeitgeist folgend. Alles andere danach tat es ihm gleich. Frégate und vor allem die Dauphine, wunderschön. Aber der Mode und dem Mainstream folgend.
Erst 1961 brach man mit alten Konventionen, der R4 schnitt alte Zöpfe ab. Konstruktiv und gestalterisch war er Bahnbrechend. 1965 folgte der nächste Paukenschlag. Mit dem R16 kam die echte Revolution auf Rädern. Allerdings entstand aus dieser Modellpolitik heraus eine Lücke. Die bis 1968 nicht angemessen  geschlossen war. Es war eher Stückwerk, das die Lücke füllte: Die Schwestern R8 und R10 waren zu ihrer Zeit...

...modern, doch immer mehr musste man erkennen, dass ihre Zeit sich dem Ende zuneigte. Heckmotor und -antrieb waren überholt.
Der Renault 6 änderte das. Er erschien zwar im Jahr der Studenten-Revolten, im Oktober 1968, aber eine Revolution war er nicht. Technisch war er zu Anfang de facto ein R4. Optisch zeigte er sich allerdings kreativer. Unverkennbar war seine Nähe zum aufmüpfigen Platzhirsch R16. Und doch, er war bei Weitem nicht so aufregend. Glattgebügelt, nur nicht zu sehr auffallen. Die Zielgruppen: Die junge Familie. Mama, Papa, Kind, Hund und Katz'. Und für die war ausreichend Platz. Durch seine unauffällige Auffälligkeit, dem konservativen Zuschnitt mit moderner Heckklappe, nahm er auch die bürgerliche Kundschaft ins Visier. Die Rechnung ging auf. Zumal man ab 1969 mit dem R12 keine Lücken mehr im Programm hatte.
Bis 1980 wurde er in Frankreich produziert, in Südamerika bis 1984, in Spanien, bei FASA, lies man den automobilen Volltreffer gar bis 1986 im Programm. Und das ohne große Veränderungen. Die waren eher der Mode geschuldet. Bis 1973 kam er mit runden Äuglein und Chromschmuck daher, danach mit modisch schwarzem Plastikgrill und quadratischen Leuchten. Änderungen gab es auch bei der Motorisierung, die beschränkte sich zu Beginn auf den 845 cm³-Motor des R4, der 34 PS brachte. 1969 bekam er den 1108 cm³-Motor, der 45, später 47 PS ablieferte. Gegen Ende seines Lebens bekam er noch eine 60 PS-Maschine. Im Lauf der Zeit spendierte man ihm auch Scheibenbremsen vorne. Für die Hartgesottenen lieferte Sinpar auch einen 4x4-Antrieb als Basis für das Spaß- und Freizeitmobil Rodeo 6.
Als er in den Ruhestand ging, standen zwei Nachfolger bereit. Der R14, der schon, aber doch kein Ersatz war. Der kam 1976, war aber etwas größer. Doch Leistung und Konzept sprachen die R6-Klientel an. Passender war da der 1979 vorgestellte R5 Fünf-Türer. Egal, der R6 war ein Hauptgewinn, der 1,7 Millionen Stück einbrachte.


Ist die neue Plastikfrontmaske von 1973 nun schöner? Darüber lässt sich prächtig streiten. Foto: Norbert Schnitzler



 

 

 

 

 

 

 

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