Ungefähr 1,1 Millionen mal wurde der französische "Käfer" von 1946 bis 1961 ausgeliefert.
Foto: Oldtimerreporter.Gaubatz


Es ranken sich um kaum ein anderes Auto so viele Legenden wie um Renaults Butterklumpen, im Deutschen weitaus liebevoller „Cremeschnittchen“ genannt. Eines dieser Märchen besagt, Porsche selbst hätte am 4CV mitgewirkt. Dies würde die Ähnlichkeit zum deutschen KdF-Wagen erklären. Völliger Mumpitz, die Ähnlichkeit hat einen anderen Grund. Wir klären auf…
Berlin, internationale Automobilausstellung 1937. Adolf Hitler und seine Entourage flanieren über die Automesse. Auch am Stand von Renault macht der Tross Halt. Der Wolf hat Kreide gefressen, zeigt sich weltmännisch und freundlich. Sogar eine Audienz bekommt Louis Renault beim Führer und Reichskanzler. Was genau der Diktator und der Wirtschaftsboss besprachen, ist heute nicht mehr überliefert. Es dürfte wohl um Politik im Allgemeinen und Wirtschaftsfragen im Besonderen gegangen sein.

Unstrittig ist, dass Hitler dem Gast Pläne vorlegte. Pläne des künftigen KdF-Wagens, der einmal Millionen von Deutschen mobil machen sollte und als Käfer in die Herzen der Autofahrer krabbelte. Louis Renault erkennt aber sofort, dass dies keiner der üblichen Geniestreiche deutscher Ingenieurskunst ist, vielmehr erkennt er die Pläne Bela Barényis und Hans Ledwinkas wieder. Zweifelsfrei waren diese Pläne geklaut. Ledwinka stellte sogar einen Prototyp auf die Räder, den Tatra V570. Nichts desto trotz, Renault wusste um die Genialität des Konzeptes. Und er wusste, er würde es besser machen. Aber er wartete ab, zunächst musste der Juvaquatre auf die Bänder gelegt werden, dann kam der Krieg.


Familiär warb Renault einst für das Familienauto 4CV, das schnell den Namen "Motte de Beurre", also Butterklumpen, bekam. Das soll angeblich an der überwiegend beigen Farbe gelegen haben, in der vor allem die ersten Autos ausgeliefert wurden. Und eben diese Farbe soll angeblich aus Restbeständen der Wehrmacht stammen, die sie als Tarnfarbe im Afrika-Feldzug benutzt hat.
Prospekt-Bild: Renault


Was geschah ist hinlänglich bekannt. Auch Renault musste fortan den neuen Herren dienen, die Entwicklung ziviler Projekte war verboten und wurde streng bestraft. Doch wieder hatte Renault Glück im Unglück. Denn die „Oberaufseher“ der Nazis in Billancourt waren der Wehrmachtsbevollmächtigte Carl Schippert und der Industriebeauftragte Wilhelm Fürst von Urach. Beide waren keine Hardcore-Nazis, vielmehr waren die Mitarbeiter der Daimler-Benz AG Männer des Automobils. Und so schauten sie mehr als einmal verschämt zur Seite, wenn der 4CV-Prototyp auf dem Werksgelände seine Runden drehte.
Und Porsche? Nun, der durfte nach der Befreiung Frankreichs auf Anfrage der französischen Regierung als Kriegsgefangener lediglich eine Empfehlung abgeben: „Den Wagen sollten Sie unbedingt bauen“. Na dann…

 


 

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