Eineiige Zwillinge? Nun ja - ganz so gleich wie auf den ersten Blick sind die Pininfarina-Brüder Austin A55 Cambridge MK2 und Peugeot 404 nun doch nicht. Und noch ein wichtiger Unterschied: Der A55 wurde nur zwei Jahre gebaut, der 404 entstand 15 (in Afrika 29) Jahre lang.
Fotos: Gaubatz/Both


„Heute sehen die Karren doch alle gleich aus“ – „Alles aus einem Designstudio“ – Fällt denen nix Neues ein?“ – „Früher war alles besser!“ Diese Sprüche kennen wir zur Genüge. Und zum Teil kann man das ja auch nachvollziehen. Aber der Wahrheit entsprechen diese Aussagen dann doch nicht so ganz. Auch schon früher gab es dieses Phänomen. Vielleicht nicht ganz so ausgeprägt, aber es war da. Und wir reden nicht von Lizenzmodellen wie Renault 12 / Dacia 1300 oder Lada / Fiat 124. Wir reden hier im Speziellen vom Peugeot 404 und dem BMC AD09.

1958 präsentiert die British Motor Corporation den Typ AD09. Entworfen wurde der Brite vom italienischen Design-Pabst Battista „Pinin“ Farina. Und das Design folgte der neuen, von Pininfarina entworfenen Mode, der Trapezlinie. Berühmte Vertreter dieser Karosserieform waren der Lancia Flaminia, der Barock-Taunus 17m und der Fiat 1800. Und eben der BMC AD09. Der Engländer folgte also der Mode der Zeit und wurde unter einigen britischen Labels vermarktet, darunter kam er auch als Austin A55 auf den Markt. Doch was war da 1960 in Sochaux los? Hatten es die Löwenbändiger auf einmal nötig, bei den Engländern abzuschauen? Denn was da 1960 in Sochaux aus den Hallen rollte, das war doch nichts anderes, als ein auf französisch getrimmter Austin A55!
Nun, das stimmt nicht so ganz. Peugeot hat nirgendwo geklaut, Pininfarina war der Dieb. Und zwar hat er bei sich selbst geklaut. Wozu auch das Perfekte besser machen wollen? Die Automode war en vogue, die Leute liebten die neue Form, auch jenseits des eisernen Vorhangs nahmen sich die Designer dieser Formensprache an, wie beim Trabant 601.
Auf jeden Fall gehört der Peugeot 404 bis heute zu den erfolgreichsten Vertretern dieser Karosserieform. Mehr als 2,8 Millionen Exemplare rollten in die große weite Welt. Sein Vorteil war eben, dass er auch als Kombi zu haben war, vor allem aber war er mit seinem robusten Diesel-Motor die einzige Alternative zum deutschen Mercedes. Wie man sieht, es kommt nicht nur auf das Äußere an, die inneren Werte sind es, die zählen.


Weniger Kirmes - mehr "Bürgertum": Gegenüber dem Austin A55 Cambridge MK2 - so der vollständige Name des Briten - wurde die Grundform des Peugeot 404 in Sochaux doch erheblich geglättet. Ihn gab es auch in vielen Versionen: Neben den Kombis Break und Familiale, waren Lieferwagen, Pick up mit breiter Holz- und schmaler Blech-Pritsche und gar eine Dangel-Allradversion zu bekommen.
Foto: Alf van Beem



Die Form des Briten war verspielter: Deutlicher Hüftschwung, mehr Flosse und etwas mehr Chrom - gern zweifarbig geordert.
Foto: Rob Mitchell

 


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