Frankreichs Mittelklasse aus den 50ern und 60ern: Die eher glücklose Frégate und der Kult-Franzose R16 - diesmal beide mit Automatik. Fotos: Oldtimerreporter.Gaubatz


Opa-Auto! Faulenzer-Karre! Dem fehlen nur noch der Hut und die gehäkelte Klopapierrolle! Ja, es gab eine Zeit, da waren Automatik-Fahrzeuge recht verpönt. Etwas für Opa Friedrich oder den Firmenboss Herrn Krüger. Der „normale“ Autofahrer wollte schalten, das „Benzin umrühren“, selbst das Geschehen in der Hand haben. Dabei hatten (und haben) Automatik-Wagen durchaus ihre Vorteile und haben sich längst rehabilitiert. Nicht nur der Taxi-Fahrer im urbanen Verkehr, auch Menschen mit Handicap schwören auf die Erleichterung.

Auch Ulli Bilsdorfer aus Nalbach setzt auf die selbstschaltenden Getriebe. Nicht ohne Grund. Ein Motorradunfall in den 1990ern bescherte ihm ein steifes Sprunggelenk, seither erleichtert ihm die Automatik das Autofahren. Dabei setzt der Saarländer nicht etwa auf ein Fahrzeug neueren Datums, mitnichten. Ulli ist stolzer Besitzer zweier alter Renault mit automatischem Vorwärtsdrang. Seit 2011 besitzt er seinen Renault 16L automatique, eine Version, die so in Deutschland nie angeboten wurde.


Beide Klassiker sind nicht nur außen, sondern auch innen in einem top-gepflegten Zustand.


Doch der R16 ist nicht nur selten, er ist auch zuverlässig. Bis in die Normandie und sogar bis Rügen fuhren der Saarländer und der Franzose. Ohne Klagen und ohne Probleme. 155.000 Kilometer hat der 16er abgespult, restauriert wurde er indes nicht. Und wird er auch nicht. Im letzten Jahr bekam er einen Austauschmotor, auch der läuft wie ein Uhrwerk. Bilsdorfer setzt auf Originalität und Patina, Hochglanzrestaurierte Edel-Oldtimer sind nicht sein Ding.
Das trifft auch auf seinen zweiten Oldtimer zu. Eine Renault Frégate Transfluide, Typ R1104. Auch diese Pretiose ist nicht restauriert. Wie viel Wert Bilsdorfer auf die Originaltät legt, belegt folgende Tatsache. Die Frégate klagte über ein Rostloch im vorderen Kotflügel. Bestimmt hätte ihr Besitzer einen adäquaten Ersatz gefunden, hätte er nur lange genug gesucht. Aber er ließ das Löchlein schweißen. Nachhaltigkeit par excellence. Wenn man sich die Bilder anschaut, man mag es nicht glauben, dass beide Fahrzeuge noch nie zerlegt waren. Übrigens zeigt der Kilometerzähler der Frégate die Zahl 55.000 an. Aber vermutlich sind es doch eher 155.000. Für beide Fahrzeuge muss man feststellen, in welch gepflegtem Zustand sie sind. Nicht nur äußerlich machen sie eine gute Figur, auch im Inneren ist alles ohne Schäden und die Polster und Teppiche scheinen wie neu. Sind sie aber nicht. In jedem noch so kleinen Detail spürt man die Liebe des Besitzers zu seinen Schätzen. Wenn an den Fahrzeugen etwas verändert wurde, dann aber doch im zeitgenössischen Stil.


Keine Erfindung der 80er. Schon vorher gab es die dritte Bremsleuchte zum Nachrüsten.


Wie die dritten Bremsleuchten in den Heckfenstern der Fahrzeuge. Das ist keine Erfindung der 1980er, die gab es tatsächlich auch schon früher als Zubehör.Unterm Strich bleibt festzustellen, dass wir Ulli Bilsdorfer mit einem seiner Lieblinge ganz sicher noch sehr lange auf Treffen sehen werden. Oder vielleicht begegnet er Ihnen ja bei einer Spazierfahrt durchs nördliche Saarland. Wer weiß?

 

 


 

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