1984: Kurvenräubern im Hinterland von Nizza.
Fotos: privat/Schulze


Das schaffen nicht einmal alle Paare, bzw. Eheleute: Das Zusammensein ein Leben lang. Da ist Heinz Schulze ein Glückspilz. Nicht nur, dass er mit seiner Inge schon ein Leben lang zusammen ist, auch seine Alpine hält ihm nun schon ein Leben lang die Treue. Und angefangen hat alles, wie so oft, in jungen Jahren.

Die erste Begegnung mit der französischen Flunder aus Dieppe hatte der kleine Heinz 1969 während eines Urlaubs in der Champagne. In Epernay sah er dann SIE. Die bildhübsche A110. Und sie ließ ihn nicht mehr los. Nicht lange nach dem Urlaub entdeckte er in Speyer bei einem Renault-Händler gleich zwei A110 – und radelte nun mehrmals die Woche zu besagtem Händler, nur um den Traum, seinen Traum auf Rädern zu bewundern.
Nachdem Schulze 1972 endlich die Lizenz zum Fahren hatte, brachte ihn sein erstes Auto, natürlich ein französisches, eine Citroën Dyane, nach Frankreich. Und da traf ihn der Pfeil des Amor. Aber sowas von.


2011: Der Alpineclub „Le Turbot“ beim Fahrerlehrgang in Hockenheim.


Er begegnete einer Alpine A310. Und da war es um ihn geschehen. Diese sechs Scheinwerfer hinter Glas, das war etwas ganz Besonderes. Viele Jahre zogen durch die Pfalz, der Traum einer eigenen Alpine war immer latent vorhanden. Dann 1983 reifte der Entschluss. Heinz und seine Frau Inge kauften eine rote Alpine A310V6. Die hatte zwar nicht mehr die tollen sechs Scheinwerfer, dafür aber einen 2,7-Liter-V6, der deutlich mehr Dampf unter dem adretten Hinterteil hatte, als die sechsäugige Vierzylinder-Version. Schon 1984 ging die A310 auf Reisen. Erst ins nahegelegene Hockenheim, zu einem Fahrerlehrgang, der vom Alpineclub „Le Turbot“ veranstaltet wurde. Höhepunkt dieser Veranstaltung war ein Autokorso durch Mannheim. Mit Polizei-Eskorte. Ehre, wem Ehre gebührt.
Im selben Jahr ging es auch ins österreichische Fieberbrunn zum Alpine-Treffen. Ein kurioses Erlebnis gab es 1987 in Südfrankreich. Damals konnte Michelin keine TRX-Sommerreifen liefern und stellte den pfälzischen Alpinisten kostenlos TRX-Winterreifen zur Verfügung. Jetzt erzählen Sie mal einem Passanten in Südfrankreich, warum Sie mit Winterreifen in der Geografie rumeiern. 1988 kam es zur ersten und bisher einzigen größeren Panne. In Monte Carlo lieferte sich Inge ein Ampel-Duell mit einem Testarossa. Ergebnis: Zylinderkopfdichtung hin! Und das im monegassischen Großstadtverkehr. Chaos par excellence. Nach der notdürftigen Reparatur ging es gen Heimat. Ein noch größeres Drama. Dafür bekam der gallische Sportler in der teutonischen Heimat eine umfassende Reparatur nebst Kupferkühler und rostfreier Hitzebleche.

Seit 1991 ist es vorbei für die Alpine mit Urlaubsfahrten. In jenem Jahr zog Kätzchen Schnuffi bei Heinz und Inge ein, und als Familienmitglied durfte Schnuffi natürlich mit in die Ferien. Doch für Schnuffi war die A310 doch nicht standesgemäß und vor allem groß genug. Dafür ist die Alpine seit 2009 aber regelmäßiger Gast auf Oldtimertreffen und -rallyes. Wie beim goldenen Hut in Schifferstadt, der Pirmasenser Schuh-Rallye, die es aber leider nicht mehr gibt, und auch anderen Veranstaltungen. Und mithalten kann die Alpine allemal. Mit ihrem 2.664 cm³ großen V6, der 150 PS leistet liegt sie oft auf den vorderen Rängen. Mittlerweile hat die Grande Dame aus Dieppe 181.000 Kilometer abgespult. Ohne je restauriert worden zu sein. Auch der rote Lack ist immer noch der erste. Diese Alpine ist vermutlich eine der letzten, die unrestauriert und unverbastelt existieren. Nur durch Pflege und regelmäßige Wartung hat sie in einem wunderbaren Zustand überlebt. Und das wird noch lange so bleiben. Eben bis dass der TÜV sie scheidet.

 


 

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