Kommt in Europa viel rum: die Alliance von Dirk Winter hier am Bodensee. Fotos: Dirk.Winter
2018 war es endlich soweit, eine Garage war da, die nötige Zeit auch, nun musste ich nur noch den passenden Oldtimer finden. Sechs Wochen ging die Suche über Saab 99, Triumph Spitfire, Fiat 132 und was mir sonst so alles eingefallen ist. Irgendwie war ich aber nie zufrieden. Meiner Frau ging das irgendwann verständlicher Weise auf die Nerven und sie meinte, ich solle mir ein Auto kaufen, dass ich schon immer haben wollte, dass endlich Ruhe ist. Da fiel mir der „AMC RENAULT Alliance Convertible“ ein, den ich 1990 in Texas bei einem Jeep-Händler gesehen hatte, aber ein Kauf damals nicht in Frage kam.
Die Chance dieses Auto zu bekommen ging eigentlich gegen Null, da von 1985-1987 nur 11146 Stück gebaut wurden bei AMC (American Motors Corporation) in Kenosha / Wisconsin und nur für den US-Markt.
Zufällig fand ich einen 1986`er (von dem 2100 Stück hergestellt wurden, mit meiner Ausstattung nur 50 Stück) und ich wurde mit dem Verkäufer schnell einig. Ursprünglich kommt meine Alliance aus Long Beach / Kalifornien. Der Unterboden war ok, sonst ein wenig runtergerockt und irgendein Vorbesitzer war wohl in der Gothic-Szene, denn selbst der Teppich war von beige in schwarz gefärbt. Dies alles hat mich nicht abgeschreckt, ich wollte das Auto unbedingt.
Da ich schon RENAULT 5,11,19,21 hatte, dachte ich als RENAULT-Fan, dass die Teileversorgung einfach sei, was sich aber ganz schnell als Irrtum herausstellte, da die Alliance von AMC mit mehr als 75% eigenen Teilen versehen wurde (was gerade im AMC-Regal lag) und von RENAULT fast nichts passt. Der Zahnriemen und ein neues Verdeck waren schon vom Vorbesitzer gemacht worden, also diese Sorgen weniger.Zuerst mal alle Flüssigkeiten und Filter gewechselt, neue „GOODYEAR VECTOR 4 Seasons“ Reifen drauf, die alten waren schon 15 Jahre alt.
Nach der "Entfeuchtung" des Innenraums gab's einen neuen, diesmal original beigen Teppich von Auto Custom Carpets in den USA.
Ich entschied mich für eine „rollende Restauration“. Im Winter 2018/19 habe ich erst mal den Innenraum komplett auseinander gebaut, unter dem Teppich war die Dämmung feucht und zerfallen, also alles raus, die Roststellen (jemand hatte wohl mal im Regen das Verdeck offen) beseitigt und mit reichlich „OWATROL-OIL“ behandelt und „OWATROL Farbe“ lackiert, wasserdichte Dämmung rein und ein neuer Teppich verlegt (bei „Auto Custom Carpets Inc.“ in den USA werden die noch neu hergestellt für fast jedes Fahrzeug was es in den USA gab).Die Ersatzteilsuche gestaltet sich immer schwieriger, auch wenn es bei „ROCKAUTO“ in den USA einiges an Verschleißteilen gibt. Böse Zungen behaupten, es gibt keine Teile für die Alliance, da diese bei mir in der Garage liegen. Nun ja, etwas ist sicher dran.
Durch gute Freunde in den USA findet sich immer wieder das eine oder andere Ersatzteil, was sich dann auf die Reise zu mir macht.
Es waren recht bald die Bremsen fällig, was für einige Verwirrung sorgte, da es 1986 für die Alliance drei verschiedene hintere Trommelbremsen gab. Mit Hilfe meiner Werkstatt, der Firma Eckardt in Erfurt, die immer eine Idee haben, wurde dieses Problem auch gelöst, lieben Dank auch mal an dieser Stelle.
In der Corona-Pandemie war zum Glück viel Zeit und es wurde jetzt das Fahrwerk gewechselt, von „MONROE“ bekommt man noch die Öldruck-Stoßdämpfer und neue „OESpectrum“-Federn, die passten ausnahmsweise mal vom „RENAULT 9“. 
Auch das Kühlsystem wurde einer gründlichen "Kur" unterzogen.
Dann war das Kühlsystem dran, irgendein Vorbesitzer war wohl für Kühlerflüssigkeit zu geizig und ist mit Wasser gefahren, was der Kühler wohl nicht so mochte, also Kühlsystem gespült, Ausgleichbehälter und Schläuche gewechselt, bei der Gelegenheit gleich einen 50mm breiten Alukühler aus dem Motorsport eingebaut und „Prestone“-Kühlflüssigkeit eingefüllt, was eine gute Entscheidung war, wie sich auf Fahrten zum Beispiel nach Sizilien und Südfrankreich zeigte.
Ein größeres Problem machte auch die Dichtung an der Schaltwelle am Fünf-Gang-Getriebe. Um diese zu wechseln muss man eigentlich das Getriebe ausbauen und auseinandernehmen. Eigentlich eine Fehlkonstruktion von RENAULT. Die Halterung vom Schaltgestänge am unteren Ende der Schaltwelle abflexen, Dichtung wechseln und wieder anschweißen ist die bessere Lösung. Bei der Gelegenheit habe ich gleich noch die Getriebeentlüftung modifiziert.
Auch wurde mit der Zeit, die Zündung, diverse Teile der Elektrik, eine neue „REMY“-Lichtmaschine samt Keilriemen (die Spannvorrichtung für den Keilriemen wurde angefertigt, weil nicht zu bekommen), verschiedene Sensoren und Geber getauscht, das AGR-Ventil, ein „PACESETTER“ Katalysator (ja, die Alliance hatte 1986 schon einen), die Auspuffanlage nebst „ANSA marmitte“ Endrohr, ein „Pfeba“-Heckspoiler und vieles andere verbaut. Es würde hier zu weit führen alles aufzuzählen.
An die Fahrsicherheit habe ich natürlich auch gedacht, es gab neue Sicherheitsgurte, „S.E.V. MARCHAL 750“ Nebelscheinwerfer in „Selective Yellow“ (die Halterungen wurden nach original Muster in Edelstahl angefertigt), zusätzlich noch eine „CIBIE“ Nebelschlussleuchte, die 1986 zwar nicht Vorschrift war, aber ab und zu hilfreich ist. Um gut zu sehen entschied ich mich für „Ducellier Rallye“ Zusatz-Fernscheinwerfer und noch eine „stebel“ Drei-Klang-Kompressor-Fanfare für die Ohren (natürlich TÜV konform mit E-Zulassung).
In den Innenraum habe ich Zusatzinstrumente für Kühlwassertemperatur, Öltemperatur Motor, Öldruck Motor und Voltmeter von „Autogage“ in 1 ½ Zoll, RENAULT-Sportlenkrad, „MOMO“-Sportschaltknauf, RENAULT Kassetten-Radio und Fisher Lautsprecher sowie je ein KAMEI-Windschott an den Kopfstützen montiert, um nur einiges zu nennen.
Besuch in Sizilien
Irgendwie habe ich es geschafft, die Alliance mit ca. 80% NOS-Teilen wieder zu restaurieren, dank vieler Freunde rund um den Globus. Nur den Lack habe ich bis auf ein paar Ausbesserungen so gelassen, man soll sehen, dass die Alliance Geschichte hat. Ich bin eh kein Freund von „Frame -Off“ Restaurationen.
Auch einiges an Literatur über die Alliance ist über die Jahre zusammengekommen, Reparatur-Handbuch, Prospekte, Zubehör-Katalog etc., was ganz hilfreich beim Schrauben für die Originalität der Alliance ist.
Ein besonderes Highlight ist das Original Licence Plate der Erstzulassung aus Kalifornien, dass ich von der 1.Besitzerin aus Long Beach bekommen habe.
Mein Motto ist: „Es wird immer in der Winter-Saison geschraubt und sonst wird gefahren“. Die Alliance ist auch das ganze Jahr mit H-Kennzeichen angemeldet.
Mit der Alliance unterwegs zu sein macht sehr viel Freude, so war ich beispielsweise mit meinem Co-Piloten und Nachbarn Sigi bei der „Pfarrkirchner Classic“, „Mückenstürmer Classic“, „Histo-Neandertal“ am Start und natürlich bei vielen tollen Ausfahrten und dem Rendez-vous vom PeReCi e.V.
Einmal im Jahr treffen sich Ende Juni Besitzer der Alliance immer in unterschiedlichen Regionen in Frankreich zur „Sortie Nationale“ des „RACP“ mit über 20 Fahrzeugen. Hier ist die einzige Gelegenheit, mal andere Alliance zu sehen und sich über neue Erfahrungen mit diesem Auto und seinen Besonderheiten auszutauschen. Es ist immer sehr schön, und ich nenne es liebevoll „Geschwister-Treffen“.
Eine der Touren führte mich 2022 nach Sizilien, über traumhafte Pässe in der Schweiz und Norditalien. In Genua ging es auf die Fähre und in Palermo konnte ich diese nur mit Starthilfe verlassen, wie peinlich. Es war ein Kabelbruch, den ich in der Hotelgarage schnell repariert habe.
Das nötige Werkzeug und Ersatzteile habe ich immer mit dabei, manchmal konnte ich auch anderen Autofahrern helfen, wenn der Pannendienst auf sich warten lässt.
Die Rundfahrt in Sizilien und die Heimreise war problemlos und erlebnisreich. In diesem Jahr ging es nach Skandinavien, damit die Alliance auch mal den Norden kennenlernt. Alles natürlich ohne Panne, einfach das serienmäßige elektrische Verdeck runter und die Sonne genießen.
Da hat die Arbeit im Winter gelohnt, auch wenn man das eine oder andere Problem lösen muss, was am Ende aber immer Spaß macht. Es war absolut richtig mich nach 28 Jahren doch noch für mein Traumauto zu entscheiden, ich habe sehr viel Freude daran und kann anderen Menschen Freude bereiten, die diesem schönen Oldtimer begegnen. 
Wo darf man mit dem Auto an den Strand? Richtig! In Dänemark!



