Mit 9.276 bis Anfang 1985 gefertigten Einheiten war die A310 V6 gefragter als die 2.340 zwischen 1971 und 1976 fabrizierten Exemplare mit dem 115 PS starken 1,6-l-R4 aus dem R16 TS. Fotos: Oldtimerreporter.Eichbaum
Durch das elterliche Renault-Faible kam Burkhard häufig zu den Händlern und deckte sich dort mit Alpine-Prospekten ein. Wenig später folgte die erste Alpine, natürlich nur als Modell. Doch zum 40. Geburtstag sollte es 2006 ein normalgroßes Produkt aus der Normandie werden. „Die 1978er A310 der ersten Serie hatte der R8 Gordini-begeisterte Verkäufer bereits zehn Jahre zuvor selbst mit Motorschaden gekauft, war aber nie zur Restauration gekommen.
Auf eine Vorbesichtigung der weit entfernt stehenden Alpine verzichtete ich – mir war klar, dass ich eine Ruine kaufte“, erinnert sich der Berliner. Der von Fissore gezeichnete Flachmann hatte bereits neun Vorbesitzer, von denen einer der letzten den V6 mit Unvermögen und reichlich Dichtmasse erledigt hatte. Nun sickerte das Kühlwasser fröhlich in die Ölwanne und sorgte für Karamellpudding. Hinzu kamen heftige Sedimentablagerungen im Kühlwasserbereich, wohl Mitgrund für die oft kolportierten thermischen Probleme. Aber Burkhard besaß schon zwei Fahrzeuge mit dem PRV-V6, hielt diese in Schuss und konnte so technisch das meiste selbst stemmen. Zudem, so die Überlegung, wäre der Unterhalt günstiger, da der 2,7-l-Motor mit der leichten GFK-Karosserie deutlich weniger Arbeit hätte: „Sparsame Sieben, acht Liter sind es auf der Landstraße, neun oder zehn auf der Autobahn, zwölf in der Stadt. Ok, auf dem Hockenheimring nahm die A310 deutlich mehr: Da hatte ich anschließend nicht nur zwei Millimeter weniger Reifenprofil, sondern musste auch direkt dort tanken.“
Das teilperforierte Lenkrad entstammt einem R5 GT
Zunächst überholte der Alpinist den Heckmotor komplett und konnte auch den an den Dichtflächen zu den nassen Laufbuchen beschädigten Block dank kräftigerer Dichtungen retten. Zündanlage, Kühlsystem und Gaswerk, bestehend aus einem Solex Doppel- sowie einem Einzelfallstromvergaser wurden ebenfalls saniert. Ferner zog ein neuer Kabelbaum ein, der alte zerfiel bei Berührung. Weiterhin wurden sämtliche stählernen Anbauteile gereinigt und einbrennlackiert. Dann kam das große Rätseln: „Obgleich die Steuerketten korrekt saßen und die Steuerzeiten stimmten, gab es höchstens einzelne Zündungen und Schüsse aus dem Auspuff. Es kam zu Tage, dass ich den Verteiler falsch montiert hatte - Renault-Alpine hatte der A310 etliche Kniffe aus dem Motorsport verpasst, so auch die Doppelkontaktzündung. Wohl hatte ich den Zündzeitpunkt ideal justiert, nur leider auf die falsche Bank.“
Weitere Pisten-Pretiosen sind der Plastik-Renntank im Vorderwagen, vier an Doppelquerlenkern aufgehängte Räder, der Zentralrohrrahmen mit GFK-Karosse, der groß dimensionierte und folglich schrauberfreundliche Motorraum und das smarte Cockpit. So informierte die letzte Eigenentwicklung des Alpine-Gründers Jean Rédélé den Fahrer im direkten Blickfeld über Drehzahl, Öldruck und Tempo Dann folgte, um nicht von Lenkkranz und Hand verdeckt zu werden, eine gute Handbreit weiter rechts ein Veglia-Uhrenquartett für Zeit, Wassertemperatur, Spannung und Tankfüllung. Das dunkelblaue Velours-Interieur ist nach Aufpolsterung der Sitze wieder proper, der Himmel neu gespannt. „Die Elektrik kam neu, da ab Werk der meiste Strom unvorteilhaft übers Zündschloss fließt. In diesem Zuge behob ich allerlei Mängel wie Steckverbinder in jeder Verfallsform und durch Schmutz und Korrosion isolierte Massepunkte an den wenigen freiliegenden Rahmenteilen. Das nicht leitende GFK darüber verlangte Hingabe: Nicht nur, dass der vermeintliche Kratzer im Heck tatsächlich ein großes Loch war, auch den Frontspoiler muss ich ein paar Mal pro Jahr nach Bodenwellen-bedingten Aufsetzern instandsetzen, was mich dank Vorkenntnissen im Bootsbau aber nicht stresst.“
Burkhards Alpine gehört zu den gut 4.000 Exemplaren mit den frühen Dreiloch-Naben.
Nach deutlich über 1.000 Arbeitsstunden und gut zwei Jahren Aufbauzeit war erstmal ausgiebiges Fahren dran. Dank anderer Kolben und der verglichen mit den Limousinen von 9,6 auf 10,1:1 gesteigerten Verdichtung liegen 150 PS bei 6.000 Umdrehungen und gut 200 Nm bei 3.500 Touren an. In glatt sieben Sekunden röhrt die A310 von 0 auf 100 und schafft laut Papieren exakt 223 km/h Spitze. Die Motorkraft leitet ein Vierganggetriebe mit Serviceklappe zwischen den Fondsitzen an die Hinterräder, deren Traktion der schwere Kleinemeyer-Gummispoiler mit zusätzlichem Anpressdruck verbessert. Den Kontakt zur Straße stellen markante 13,Zoll-Alus mit Michelin XDX-Reifen in 185/70 vorne und 205/70 hinten her.
Dass der Elfer-Rivale aus Dieppe genauso knifflig handzuhaben war, störte nicht – in kundiger Hand lieferte er Fahrspaß wie der Zuffenhausener. „Aufgrund der Gewichtsverteilung von 340 Kilogramm auf der Vorder- und 640 Kilogramm auf der Hinterachse übersteuert die Alpine sehr leicht, was ab Werk mit hinten erheblich mehr Sturz und unterschiedlichen Reifendrücken gelindert wurde: Vorn sind es 1,8 bar, hinten 2,6. Auf Nässe ist unbedingt Vorsicht geboten, das Heck gleitet rasch aus.“ Eine diesbezügliche Veranschaulichung blieb sowohl aus Respekt gegenüber unserem Gastgeber, dem Luftwaffenmuseum in Berlin-Gatow, als auch der Tatsache aus, dass ein Kontakt mit MiG, Noratlas und Transall genauso wie mit Ural, Tatra und MAN KAT der A310 den Garaus machen würde. „Auf trockener Straße bietet die Alpine herausragendes Handling und erlaubt Kurvengeschwindigkeiten, die mit anderen Pkw unmöglich sind. Sie lässt sich wie ein Kart bewegen und mit der äußerst direkten Lenkung prima herumzirkeln. Das ist selbstverständlich ein großer Spaß, und so habe ich seit Fertigstellung der Restauration weit über 50.000 Kilometer zurückgelegt, sowohl im Sommer auf dem Weg zur Arbeit als auch bei Wochenendausflügen mit den Club-Kollegen.“
Der Spaß war vor einigen Monaten allerdings schlagartig vorbei, als die Alpine mit etwa 40 weiteren Fahrzeugen einem Parkhaus-Großbrand zum Opfer fiel. „Da war meine gute Laune natürlich erst einmal im Keller. Immerhin kann ich lächelnd zurückblicken, die Erinnerungen an die ungezählten schönen Stunden sind nicht in Rauch aufgegangen. Glücklicherweise habe ich mir aber schon vor Jahren eine zweite Alpine bei Seite gestellt, die ich jetzt mit vollem Elan aufbaue.“ Wohl dem, der rechtzeitig vorsorgt! Wir sind auf das Ergebnis gespannt! 
Burkhards A310: von der Ruine zur vorzeigbaren Schönheit



