Oldtimerreporter überregional

Flaggschiff: Beim Granada-Coupé - hier ein 2.0 - war das Vinyldach Pflicht! Der erste Consul wurde auschließlich als Fastback - dann aber mit Hüftschwung - ausgeliefert. Fotos: Oldtimerreporter.Eichbaum


Gurgel, gurgel, trommel, trommel, quietschender Keilriemen, unruhiger Leerlauf… Das Auto zum Motor ist noch nicht zu sehen, aber man hört die schwere Arbeit eines Motors, der offensichtlich eine Prise zu schwach ausgefallen ist – oder das Auto um ihn herum zu wuchtig. Ein kleiner autoverrückter Junge beobachtet die Szene und erwartet gespannt, was da bald in die Straße einbiegen wird. Das heißt, er wartet nicht ab, sondern schaut die Straße hinunter. Dort kann er das gurgelnde Auto schon sehen, so leuchtend, wie es lackiert ist.
Blau! Leuchtend blau! Diese Farbe kennt der Junge bisher nur von Eiscreme mit Heidelbeer-Geschmack oder vom Weichspüler, den seine Mutter bei der Wäsche benutzt. Dass diese Farbe Olympiablau heißt, erfährt das Kind erst viele Jahre später, in diesem Moment interessiert das auch nicht. Jetzt fasziniert ihn das Auto mit dem Gurgelmotor und der Leuchtfarbe. Dort steht er, der große Wagen. Er ist wirklich groß, vor allen Dingen im Vergleich zum Familien- R4. Vorne sind rechteckige Scheinwerfer über einer dicken Chromstoßstange zu sehen. Die Motorhaube ist breit und lang, was für ein riesiger Motor mag darunter zu sehen sein?  Vier Türen rundum, die Polster sehen bequem aus, fast wie die Sessel im Wohnzimmer. Hinten ein großer Kofferraum, da passen sicher viele Kartons mit Legosteinen hinein. Breite Heckleuchten, überhaupt alles an diesem Auto irgendwie breit und groß. „Consul L“ steht da in geschwungenen Buchstaben auf der Kofferraumhaube geschrieben. Der Junge ist beeindruckt vom Consul. Die Farbe, der V4-Motor, das gesamte Auto werden sich ihm für immer im Gedächtnis einprägen. So etwas vergisst du nicht.

Ami-Flummi: Mit amerikanischer Gumminase verschlimmbesserter Pantera. Das "Volumenmodell" war mit über 7600 Stück der meistgebaute De Tomaso. Der letzte Pantera verließ 1993 die Werkshallen. Foto: Joe Ross


Vor 60 Jahren öffnete ein mehrmals Aufsehen erregender Sportwagenhersteller seine Tore: De Tomaso. Gebrandet – Verzeihung für dieses Neudeutsch – waren die De Tomaso Modelle bis 2011 höchst patriotisch: Der hellblau-weiße Hintergrund des Firmenlogos huldigte der Flagge Argentiniens, das T darauf glich dem Rinderbrandzeichen der elterlichen Ranch.
Aufgewachsen in wohlhabenden Verhältnissen, wanderte der am 10. Juli 1928 geborene Alejandro de Tomaso 1955 ins italienische Bologna aus. Vier Jahre später eröffnete mit finanzieller Hilfe seiner Gattin Isabelle Haskell, Enkelin des GM-Gründers Billy Durant, eine Kfz-Werkstatt. Nachdem seine selbst konstruierten GP-Rennwagen weder im eigenen noch in Kundenteams Erfolge eingefahren hatten, widmete sich der Tüftler Mitte der 1960-er Jahre der Entwicklung von Straßensportwagen.
Sein diesbezügliches Erstlingswerk war der 1965 präsentierte und ab 1965 produzierte Vallelunga, topmodern mit Mittelmotor. Die 726-kg-Flundern befeuerte ein 1,6-l-Vierzylinder von Ford mit 105 PS, doch nach diversen Problemen stoppte die Fertigung 1966 nach nur 48 Einheiten. Der Ford-Motor hinter dem Fahrer sollte aber Bestand haben: Im spektakulär von Giugiaro eingekleideten Mangusta rumorte unter Flügeltüren ein 4,7-l-Small Block V8 mit 305 PS. Mit einer Gewichtsverteilung von 32:68 war die cobravertilgende Schleichkatze – so die Übersetzung – allerdings knifflig zu fahren, fand aber von 1968 bis 1971 immerhin 401 Kunden.

Mehr Zeitgeist geht fast nicht. Christian Sellner kann zurecht stolz auf seinen 66-er Käfer sein!           Fotos: Oldtimerreporter.Eichbaum


Bescheidenheit ist eine Zier, doch schöner lebt sich’s ohne ihr. Deswegen kleckerte Christian Sellner an seinem Käfer auch nicht mit zeitgenössischem Zubehör, sondern klotzte richtig ran.
Angefangen hat es in den 70ern mit V8-Benzen, dann kamen einige DKW und schließlich sechs Käfer – so die Oldtimer-Karriere von Christian und seinem besten Freund. „Diesen hier trieb ich 2014 auf und bekam ihn Anfang dieses Jahres, als mein Kumpel das Altblech-Hobby aufgab. Zuvor hatte ein Leipziger Chirurg mit einer Vollrestauration einen Ausgleich zum Beruf gesucht und gefunden, später überholte ein Betrieb aus Spandau den Boxermotor.“ Blieb nicht viel übrig zu tun, zumindest was die gemeine Restauration angeht.

M-Urvater: Dieser 530-er wurde in Südafrika "ausgebuddelt" - und wird jetzt restauriert. Fotos: BMW


BMW M müssen wir dem geneigten Leser nicht erklären. Auch der BMW M1 ist jedermann ein Begriff. Dass dessen Wurzeln jedoch nicht in Deutschland, sondern in Südafrika liegen, im ersten von BMW gegründeten Auslandswerk, das könnte hier und dort für Überraschung sorgen. Südafrika hat in den siebziger und achtziger Jahren so manches Motorsportprojekt hervorgebracht, welches in unseren Breiten eher unbekannt ist: Kadett E Superboss, Kadett / Astra 200t S und Ford Sierra XR8.