Oldtimerreporter überregional

Starkes Team: Jürgen Meckel und sein Aro.
Fotos: Oldtimerreporter.Obuchoff


„Der sieht einfach wie ein Auto aus: Hat ein großes Maul, zwei Augen und hat Rundungen wie eine Frau“, so begründet Jürgen Meckel sein Interesse für den ARO M461.  Und: „Der macht, was andere nicht können.“ Was das bedeutet will der 59-jährige Rettungssanitäter mir sofort zeigen. Wir gehen raus. Seinen Bauernhof am Rand des ältesten Kolonistendorfes im Oderbruch Neulietzegöricke hat Jürgen Meckel umgebaut. Im Wohnhaus gibt es zwei Gästezimmer, und der Stall birgt Garage und Lagerräume. Das Dachgeschoss darüber soll demnächst als Wohnung für seine Schwester ausgebaut werden.
Als erstes springen freudig die drei Hunde ins Freie. Die beiden riesigen Rhodesian Ridgebacks Jambo und Iza sowie der kleine Mischling Susi glauben wohl, es gehe aufs Feld. Das stimmt zwar, aber nicht für die Tiere, sondern für den ARO, der seine runde Schnauze schon aus dem Garagentor reckt. Das 2,4-Liter-Tribwerk springt sofort an.

Das alles und noch viel mehr muss raus.
Fotos: Oldtimerreporter Zobel


Stellen Sie sich vor, Sie wären Herr über einen riesigen Fuhrpark. Sozusagen für jede Stimmung das richtige Vehikel. Sie könnten jeden Tag  zwischen 32 Mercedes, 10 Porsche, 25 VWs, 10 Audis und etlichen anderen Wagen sowie 32 LKWs und 15 Nutzfahrzeugen  wählen. Kurz um, Ihr Fuhrpark für den täglichen Gebrauch umfasst 167 Fahrzeuge. Ganz zu schweigen von den über 200 niegelnagelneuen  Fahrzeugen, die noch nie einen Kilometer gefahren sind.
Wenn Sie das nächste Mal in ein Parkhaus fahren, sagen wir mit einer Kapazität von 600 Stellplätzen auf drei Ebenen, dann wären  zwei  dieser Ebenen komplett mit ihrem Fuhrpark belegt.
„Alles eine Sache der Perspektive“ sagt Dieter Schmurr, der 84-jährige Besitzer dieser beeindruckenden Flotte mit einem Lächeln und fügt hinterher zu: „Meine gebrauchten Wagen passen alle in zwei Keksdosen und die OVPs sind staubfrei in einem Karton verpackt.“

Frank Petzchen und sein Überlebender. Fotos: Oldtimerreporter.Fröhlich


Am  30. April 1991 lief der letzte Trabant in Zwickau vom Band – doch verkauft wurden die letzten Neuwagen erst im Jahre 1996. Wie kam‘s dazu? Im November 1989 war die Mauer gefallen, und in der darauffolgenden Zeit der Fast-Anarchie fluteten Abertausende von Zehnthand-Gebrauchtwagen aus dem Westen die Neuen Bundesländer: VW Golf, Ford Fiesta, Opel Kadett. Zustand egal, Hauptsache fahrbereit. Die eben noch sehnlichst erwarteten Trabant wurden lieblos in den Nebenstraßen der Großstädte abgestellt. Selbst der Zwitter mit den vier Takten eines Polo-Herzens wird verschämt in der Garage versteckt.
Gleichzeitig wandern viele der nagelneuen Eins-Einser nach Ungarn, dort hat man noch ein Herz für die etwas altbackenen Trapezlimousinen.
Nun ist ein türkischer Geschäftsmann der Meinung, der knuffige Kleinwagen wäre das Auto für seine nicht ganz so zahlungskräftigen Landsleute. Denkt’s und verfrachtet um die 500 Trabanten in die türkische Mittelmeerstadt Mersin. Allerdings hat er die Rechnung ohne die heimischen Behörden gemacht. Die erteilten den Zwickauern nämlich keine Einfuhrgenehmigung.
Irgendwie dumm gelaufen: Jetzt stehen um die 500 Neuwagen ziel- und sinnlos im Zollbereich des Hafens von Mersin rum. Irgendwann geht die Firma des Geschäftsmannes pleite. Und die salzige Meeresluft beginnt, ihr teuflisches Werk zu verrichten.

Schönheit in Klang und Optik - das sind Alfa-Motoren... Fotos(2): Oldtimerreporter.Gaubatz


Der erfrischende Frühsommerregen kühlt ihre aufgewärmte Haut, die Regentropfen perlen ab, umschmeicheln ihre aufregenden Kurven, fast schon lasziv steht sie da, ist sich ihrer Schönheit durchaus bewusst. - Nein, das ist nicht aus einem schwülstigen Liebesroman, es ist auch keine Szene aus einem Rosamunde-Pilcher-Film. Es ist die Beschreibung eines wunderschönen Autos, das der Oldtimerreporter auf einem Treffen gefunden hat.
Im Mai auf einem Oldtimertreffen im saarländischen Lebach. Der Verfasser dieser Zeilen ist auf der Jagd nach Oldtimern. Das Bild-Archiv will ständig gefüttert werden. Und dann steht sie plötzlich da, die italienische Schönheit. Ein Alfa Romeo, alleine der Familienname klingt schon aufregend. Und Giulia erst, er zergeht auf der Zunge wie original italienisches Gelato. Und so sieht sie auch aus. Zart, süß, zum dahinschmelzen. Der Bilderjäger schleicht sich langsam an, Giulias Besitzer trocknet ihr hübsches Blechkleid von den letzten Tränen des Himmels. Man kommt ins Gespräch. Giulias Geschichte ist lückenlos dokumentiert. Sie wurde 1972 in Italien erstmals zugelassen, 2006 zog es sie nach Belgien, bevor sie 2008 in der Grande Nation landete, genauer gesagt, in Lothringen. Und auch heute lebt sie in einem Multi-Kulti-Umfeld. Die aparte Italienerin lebt mit ihrem deutschen Besitzer und einem US-amerikanischen Ford Mustang namens Sally (Achtung, Schenkelklopfer) in Frankreich. Und dieses Umfeld tut ihr ohne Zweifel gut.