Schönheit in Klang und Optik - das sind Alfa-Motoren... Fotos(2): Oldtimerreporter.Gaubatz


Der erfrischende Frühsommerregen kühlt ihre aufgewärmte Haut, die Regentropfen perlen ab, umschmeicheln ihre aufregenden Kurven, fast schon lasziv steht sie da, ist sich ihrer Schönheit durchaus bewusst. - Nein, das ist nicht aus einem schwülstigen Liebesroman, es ist auch keine Szene aus einem Rosamunde-Pilcher-Film. Es ist die Beschreibung eines wunderschönen Autos, das der Oldtimerreporter auf einem Treffen gefunden hat.
Im Mai auf einem Oldtimertreffen im saarländischen Lebach. Der Verfasser dieser Zeilen ist auf der Jagd nach Oldtimern. Das Bild-Archiv will ständig gefüttert werden. Und dann steht sie plötzlich da, die italienische Schönheit. Ein Alfa Romeo, alleine der Familienname klingt schon aufregend. Und Giulia erst, er zergeht auf der Zunge wie original italienisches Gelato. Und so sieht sie auch aus. Zart, süß, zum dahinschmelzen. Der Bilderjäger schleicht sich langsam an, Giulias Besitzer trocknet ihr hübsches Blechkleid von den letzten Tränen des Himmels. Man kommt ins Gespräch. Giulias Geschichte ist lückenlos dokumentiert. Sie wurde 1972 in Italien erstmals zugelassen, 2006 zog es sie nach Belgien, bevor sie 2008 in der Grande Nation landete, genauer gesagt, in Lothringen. Und auch heute lebt sie in einem Multi-Kulti-Umfeld. Die aparte Italienerin lebt mit ihrem deutschen Besitzer und einem US-amerikanischen Ford Mustang namens Sally (Achtung, Schenkelklopfer) in Frankreich. Und dieses Umfeld tut ihr ohne Zweifel gut.

Heinz Trapp, so der Name des Besitzers, hat alles, aber auch wirklich alles für seine Liebste getan. Kein Makel trübt das Gesamtbild. Keine Orangenhaut, keine Falten, sogar der Motor sieht aus, als hätte man ihn gerade eben erst in Turin aus dem Lagerregal genommen und implantiert.


Polizia Stradale: Moosgrün und als Kombi wurde die Giulia vorwiegend für die Polizei von der Carozzeria Colli gebaut. Foto: Alf van Beem


Dabei hat Signorina schon 86.000 Kilometer auf dem makellosen Rücken. Jener Motor, der komplett aus Leichtmetall gefertigt ist, verfügt über 1290 cm³ und stellt temperamentvolle 89 PS bereit. Die feurige Dame hat ja auch gleich zwei obenliegende Nockenwellen. Damit, und mit einem in fünf Fahrstufen abgestimmten Getriebe, schafft sie gut und gerne ihre 165 km/h, kein Wunder also, dass man ihr als Mitgift vier Scheibenbremsen mitgab. Und diese Kraft überträgt sie, ganz die italienische Diva, auf Leichtmetallrädern mit 165er Reifen auf den Asphalt.
Seit 1962 wurde das Modell Giulia produziert, die Version 1.3 Super wurde 1972 in der Variante Super auch optisch an die 1600er-Ausführung angeglichen und erhielt nun in der Serie u.a. auch Doppelscheinwerfer. Bei unserem italienischen Fräulein, das im originalen „beige cava“ eingekleidet ist, wurde nichts ausgelassen. Sie wurde nach und nach vom Spurstangenkopf bis zum Dachhimmel perfekt restauriert. Man möchte kaum glauben, dass ein


Über Schönheit kann man bekanntlich streiten. Ein Charakterkopf ist die Giulia allemal.


Wertgutachten einen Zustand von „nur“ 2+ attestiert. Denn wenn man sie in freier Wildbahn zu Gesicht bekommt, dann sieht man ein Automobil, das scheinbar eben erst vom Turiner Band gelaufen ist. Nicht nur im Innenraum, wo die Hutablage neu beledert und das Instrumentengehäuse pulverbeschichtet wurde, nicht nur im Maschinenraum, wo der Auspuffkrümmer porzellanbeschichtet und der Kühler lackiert wurde, auch die komplette Karosserie wurde Stück für Stück überholt. Neben einer Komplettüberholung des Fahrwerkes, spendierte Heinz Trapp seiner „Bella“ auch neue Stoßstangen, Türgriffe, neue Radläufe hinten, eine neue Kardanwelle und rüstete H4-Scheinwerfer nach. Das Alles, und noch viel mehr, hat Trapp im Lauf der Jahre seiner Giulia angedeihen lassen. Und hat am Ende des Tages ein perfektes Ergebnis vor Augen. Ein Stück automobile Kulturgeschichte, die vom einstigen Ruhm eines legendären Automobilherstellers zeugt.
Wie dem auch sei. Man sieht ihr an, dass sie geliebt wird. Heinz Trapp wird sicher noch viele Treffen mit seiner Giulia verzaubern. Und der Oldtimerreporter freut sich auf jeden Fall auf ein Wiedersehen.