Das alles und noch viel mehr muss raus.
Fotos: Oldtimerreporter Zobel


Stellen Sie sich vor, Sie wären Herr über einen riesigen Fuhrpark. Sozusagen für jede Stimmung das richtige Vehikel. Sie könnten jeden Tag  zwischen 32 Mercedes, 10 Porsche, 25 VWs, 10 Audis und etlichen anderen Wagen sowie 32 LKWs und 15 Nutzfahrzeugen  wählen. Kurz um, Ihr Fuhrpark für den täglichen Gebrauch umfasst 167 Fahrzeuge. Ganz zu schweigen von den über 200 niegelnagelneuen  Fahrzeugen, die noch nie einen Kilometer gefahren sind.
Wenn Sie das nächste Mal in ein Parkhaus fahren, sagen wir mit einer Kapazität von 600 Stellplätzen auf drei Ebenen, dann wären  zwei  dieser Ebenen komplett mit ihrem Fuhrpark belegt.
„Alles eine Sache der Perspektive“ sagt Dieter Schmurr, der 84-jährige Besitzer dieser beeindruckenden Flotte mit einem Lächeln und fügt hinterher zu: „Meine gebrauchten Wagen passen alle in zwei Keksdosen und die OVPs sind staubfrei in einem Karton verpackt.“

Gott sei Dank musste der passionierte Sammler die Fahrzeuge nicht alle anmelden. Man mag gar nicht daran denken, wie lange der arme Mann auf der Zulassungsstelle  verbracht hätte. Ihnen als aufmerksamer Leser ist sicherlich schon aufgefallen das es sich hier um eine Sammlung von Modellautos handelt.


Auch seltene Trucks sind dabei.


Angefangen hat die Sammelleidenschaft in den fünfziger Jahren, wie bei vielen anderen, im Zusammenhang mit der Modelleisenbahn. So auch beim jungen Dieter. Nun wurden neben den Zügen auch Landschaften, Häuser, und Fahrzeuge in die Modelleisenbahn integriert.
Gute 20 Jahre früher erkannte Friedrich Karl Peltzer das Potenzial von Modellbau. Am 3. Dezember 1936 ließ Friedrich Karl die  Wiking Modellbau Peltzer & Peltzer als offene Handelsgesellschaft eintragen. Sitz der Firma war die Dahlemer Straße 77, in Berlin-Lichterfelde. Die ersten Produkte waren Schiffsmodelle aus Metall nach realen Vorbildern, dann folgten Flugzeuge, erst aus Metall und ab 1939 auch aus Kunststoff.
Die ersten Schiffe waren im Maßstab 1:1250 gefertigt. Die Flugzeuge hatten mit 1:1200 eine nahezu identische Größenordnung. Parallel dazu wurden Wehrmachtsmodelle, militärische Figuren und Fahrzeuge im gleichen Maßstab gefertigt. Die Geburtsstunde der zivilen Wiking-Fahrzeugmodelle im Maßstab 1:1200 schlug 1938 auf der Leipziger Herbstmesse.


Und: Jede Menge historische Sammlerliteratur.


Der wichtigste Kunde wurde während des zweiten Weltkrieges das Militär, und so wurde die Wiking Modellbau Peltzer & Peltzer als kriegswichtig eingestuft und produzierte ausschließlich für das militärische Planspiele. 1941 wurde eine Zweigstelle in Amsterdam eingerichtet, um der großen Nachfrage nach Schiffs- und Flugzeugmodellen nachzukommen.
Im gleichen Jahr wurde der Stammsitz der Firma in die Villa der Fürstenberg-Brauerei verlegt. Der Umzug  kam nicht überraschend, da sich die Peltzers mit ihrer Firma dort schon im Jahr 1935 eingemietet hatten. Bei den zunehmenden Luftangriffen der Alliierten wurde auch die Villa beschädigt. Aus Sorge um die Formen und Maschinen wurden diese 1943 schrittweise aus dem Unternehmensgebäude  ausgelagert. Nach der Kapitulation 1945 wurde die Produktion durch den Kontrollrat der Alliierten vorübergehend eingestellt. Schon ab 1948 produzierte Wiking dann Fahrzeugmodelle und Zubehör im Maßstab 1:100. Auf der Serie „Verkehrsmodelle“ basieren die heutigen Miniaturen im Maßstab 1:87 - inzwischen unter der Regie von Siku.
Für Dieter Schmurr ist nun offenbar die Zeit gekommen, sich von seinen Schätzen zu trennen. Er will seine Sammlung ganz oder einzeln in gute Hände abgeben. Gerne stellt die Redaktion den Kontakt her. Bei Interesse bitte E-Mail an: redaktion[@]oldtimerreporter.de