"Rekord-Commodore-Caravan". Dank Opel-Baukasten kein großes Problem.
Foto: Oldtimerreporter.Eichbaum


Potente Sportkombis á la Audi RS6 Avant stellen eine eher neuzeitliche Erfindung da – wer früher einen agilen Alltagsbegleiter mit hohem Nutzwert wünschte, musste selbst Hand anlegen. So wie es später Michael aus Teltow-Fläming tat.
„Mein Interesse an alten Opel-Modellen wurde 1969 sprunghaft geweckt, da war ich im zarten Alter von sieben Jahren, als mein Vater ein Opel Commodore A Coupé anschaffte“, erinnert sich der Wahlbrandenburger. „1990 fing ich dann an, mich intensiver mit Oldtimern, speziell Opel Commodore A, zu befassen und diese Autos zu restaurieren. Seither habe ich ein Coupé, eine zwei- und eine viertürige Limousine für mich aufgebaut – alles Commodore A GS/E.“ Zu dumm nur, dass die oberen Mittelklasse-Kraftbolzen aus Rüsselsheim Kombi-Karosserien vorenthalten waren; das änderte sich erst 1981 mit dem kurzlebigen Commodore C Voyage. Der in erster Linie mit Granada Turnier und Mercedes 123 T rivalisierende Edellaster wiederum stand im Schatten von Monza und Senator, bis zu seiner Einstellung 1982 entstanden lediglich 3.440 Exemplare.


Commodore-Optik auch im Innenraum - bis auf das Rekord-C-Lenkrad.


Jahre vorher wurde in der Lehrwerkstatt der GM-Tochter ohne Wissen der Geschäftsleitung ein Rekord C Caravan mit Commo-Insignien wie Reihensechszylinder und Fünfloch-Radaufnahmen sowie amerikanisch angehauchter Holzfolie gebaut. Dieses Auto fand in der Chefetage leider keinen Anklang, die Aufnahme einer Serienproduktion blieb aus. Zwar war zuvor der 1966 lancierte Rekord C Kombi mit dem auf 2,2 Liter verkleinerten Reihensechser des Admiral A durchaus erhältlich gewesen, doch fiel das enorm teure und leistungsseitig auch nicht überzeugende Triebwerk bei den Kunden durch und 1968 aus dem Angebot. Die verbliebenen Vierzylinder mit 58 bis 90 PS waren gewiss nett, aber eben nicht so prestigereich und energisch wie die neuen CIH-Sechser im  August 1968 lancierten Commodore, der obendrein auch kommoder ausgestattet war.
So auch das in Goldmetallic erstrahlende Schmuckstück des Opel-Fans: Holzfurnier und Kunstleder satt, allein das Zweispeichen-Lenkrad hält die Rekord-Fahne hoch. Ganz recht, Michael erstand 2010 einen regulären Rekord C Caravan im abgemeldeten und recht erbärmlichen Zustand in Duisburg. Da es bei der 2015 gestarteten Restauration des extrem raren Dreitürer-Kombis mit Schiebedach und Dachrailing ohnehin genügend zu tun gab, wurde anstelle der originalen Rekord-Technik gleich auf vertrauten Commodore-Standard hochgerüstet. Bei dem Caravan-Umbau standen Karosseriebaumeister Detlef Kempf aus Genshagen, die Lackierei Thomas Dalchau aus Wünsdorf und Motoren Technik MTA so hilfreich zur Seite, dass das Projekt 2016 mit Erhalt der H-Zulassung abgeschlossen wurde.


Volle Kraft voraus! Mit seinen 150 PS-Sechszylinder-Treibsatz mischt der Commo-Caravan noch fleißig im heutigen Verkehr mit.


Unter der Haube gibt‘s das volle Programm, wie Michael fortfährt: Statt des Reihenvierers sorgt in meinen Opel der 2,5 E Sechszylinder-Einspritzer mit 150 PS und 196 Nm für Vortrieb, wie er damals original in den Commodore A GS/E Modellen steckte. Natürlich fährt sich der Kombi wie ein Oldtimer, einfach saugut. Sehr spritzig und schnell ist er dank der 150 PS sowieso. Man fährt im fließenden Verkehr mit und kann ohne großes Murren einfach überholen. Ich nutze den Kombi vor allem, um Oldtimer-Veranstaltungen zu besuchen und gelegentlich Ausfahrten im Rahmen von Treffen zu machen.


Erst die Liebe zum Detail macht den Auftritt perfekt.


Die Resonanz auf den Wagen ist einmalig, alle waren bisher begeistert!“ Da übertreibt der Gute keineswegs, beim Oldtimerreporter Angrillen 2019 in Köpenick bildeten sich wahre Menschentrauben um mal einen Blick unter die meist geöffnete Haube zu werfen.
Den in dieser Karosserieform ungewöhnlichen Motor erkannten die Interessenten, während die Rundum-Colourverglasung bemerkt, aber nicht hinterfragt wurde. „Eine solche habe ich noch bei keinem Dreitürer-Kombi in Deutschland gesehen oder gehört, dass noch jemand anderes eine solche hat.“ Kein Wunder, die besonderen Scheiben stammen aus dem warmen Brasilien, wo Sonnenschutz einen ganz anderen Stellenwert genoss als hierzulande. Dort lief der Rekord C in leicht abgewandelter Form als Chevrolet Opala, Comodoro und Diplomata mit bis zu 4,1 Liter großen Sechsendern und Fünfloch-Rädern vom Band. Aber nie als Einspritzer. Dieser Umstand macht Michaels Wagen noch bemerkenswerter: „Er ist einzigartig. Es gibt aktuell keinen anderen Rekord/Commodore A GS/E Caravan als meinen!“