Opels erste automobile Legende: Das Modell 4/8 PS, der berühmte „Doktorwagen“
Fotos: Opel


.Ähnlich wie beim neuen Familienmitglied Citroen, hat auch bei Opel alles ganz anders angefangen. Nach seinen Lehr- und Wanderjahren begann Adam Opel 1863 in des Vaters Werkstatt mit der Produktion - von Nähmaschinen. Und das tat Adam Opel recht erfolgreich. Durch seine Heirat und geschickte Ankäufe von Geschäftsanteilen konnte er die „Nähmaschinenfabrik von Adam Opel“ gründen. Bis 1880 produzierte Opel 20.000 Nähmaschinen, bis 1911 gar eine Million! Und das Jahr 1911 bedeutete eine Zäsur.
25 Jahre zuvor, 1886, begann Adam Opel nebenbei auch mit der Produktion von Fahrrädern. Seine Söhne konnten ihn dafür begeistern, sie sollten Recht behalten. Während 1885 18.000 Nähmaschinen von 300 Arbeitern gefertigt wurden, so waren es 1898 1.200 Beschäftigte, die 25.000 Nähmaschinen und 15.000 Fahrräder produzierten.

Die Söhne hatten also den richtigen Riecher. Aber einer Sache verweigerte sich Adam Opel vehement: Dem Bau von Automobilen. So sehr sich die Söhne Carl, Wilhelm, Fritz, Ludwig und Heinrich auch stark machten, sie hatten keine Chance. Erst als Adam Opel 1895 starb konnten die Weichen gestellt werden.
Sophie, die die Firma ihres Mannes leitete, ließ sich überzeugen und kaufte am 21. Januar 1899 die in Dessau ansässige „Anhaltinische Motorwagenfabrik“ des Friedrich Lutzmann, den die Opels als Geschäftsführer in Amt und Würden ließen. Besonders Carl, Friedrich und Wilhelm machten sich für das Automobil stark. Nun hatte man also an der Schwelle zum 20. Jahrhundert drei Geschäftsbereiche, die zum Erfolg des Unternehmens beitrugen. Nähmaschinen, Fahrräder und Automobile. Wobei es absehbar war, dass sich schon bald Veränderungen einstellen würden. Dass die Produktion von Nähmaschinen nicht auf Dauer erfolgreich sein konnte, das lag auf der Hand. Alleine die Produktion von Nähmaschinen im Deutschen Reich lag ungefähr gleichauf mit dem Absatz. Weltweit! Dann die erwähnte Zäsur 1911. Ein Feuer brach im Opel-Werk aus und sorgte für große Schäden. Doch relativ schnell konnte das Werk wieder in Betrieb genommen werden. Allerdings nutzte man dieses Unglück, um sich von der Nähmaschinenproduktion zu trennen. Die Produktion von Kraftfahrzeugen war im Aufschwung, die von Fahrrädern sowieso. Bis in die 1920er-Jahre gelang es Opel zum Weltmarktführer von Fahrrädern aufzusteigen.


Opels „Autobauer“ 1899. Ganz rechts im Bild (hinter dem Auto) steht Friedrich Lutzmann.


Dass die Automobilproduktion einen Aufschwung bei Opel erleben würde war allerdings nicht selbstverständlich. Zwar produzierte Opel von Anfang an auf Basis des „Lutzmann-Wagens“ auch eigene Karosserie-Versionen, doch die Konkurrenz, besonders französischer Hersteller, führte zu einem Produktionsstopp. Doch so schnell gaben die Opel nicht auf. Wen ich nicht besiegen kann, mit dem verbünd‘ ich mich. Eine alte Weisheit, auf die sich die Opels besannen. So kam es zu einer Zusammenarbeit mit dem französischen Hersteller Darracq.
1902 gelangten die in Rüsselsheim gefertigten Voiturette unter dem Namen „Opel-Darracq“ in den Verkauf. Allerdings präsentierte Opel im gleichen Jahr die erste Eigenkonstruktion, den Opel 10/12PS. Und von da an ging’s bergauf. 1904 debütierte der erste Vierzylinder, 1907 avancierte Opel zum Hoflieferanten, 1909 folgte die Produktion von Nutzfahrzeugen, im gleichen Jahr entstand die erste Opel-Legende: Der Doktorwagen. Ab 1911 baute man darüber hinaus, wen wundert’s, Feuerwehrfahrzeuge. So ging es Schlag auf Schlag. Bis der erste Weltkrieg ausbrach. Besonders tragisch: Das von Opel nach den Plänen von Max Lochner gefertigte Stromlinienfahrzeug, das „Opel-Ei“, wurde im Krieg beschlagnahmt. Seither gilt dieses Unikat als verschollen.
Nach dem Krieg versuchte Opel wieder Fuß zu fassen, was auch nach und nach gelang. Die Motorrad-Produktion, ein weiteres Standbein seit 1901, startete mit dem Motor-Fahrrad, 1919 präsentierte Opel den ersten Sechszylinder mit dem Modell 21/55PS. Man kämpfte sich heraus, aus dem Tal der Tränen. Bevor die nächste Tragödie über Rüsselsheim hereinbrach: Die Weltwirtschaftskrise. Opel war längst wieder der Platzhirsch im Reich, der Hersteller war Marktführer. Doch die Weltwirtschaftskrise machte auch vor Opel nicht halt. So kam es, dass Wilhelm von Opel und sein Bruder Friedrich Opel am 17. März 1929 80 Prozent der Unternehmensanteile verkauften. An US-amerikanischen Konzern General Motors (GM). Kurz danach übernahm GM das komplette Unternehmen. Zuvor war ausgehandelt worden, dass die Familie in wichtigen Positionen, wie dem Vorstand, präsent blieb, und dass der Name Opel weitergeführt werden sollte. Das funktionierte auch prächtig…

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Januar 1933. Tag der Machtergreifung. Adolf Hitler wurde zum Reichskanzler ernannt. Die Nazi-Lawine war nicht mehr zu stoppen. Was auch auf die Wirtschaft Auswirkungen hatte. Lesen Sie im zweiten Teil, wie GM reagierte und wie Opel nach dem Krieg wieder zum Marktführer wurde.