Jahrzehntelang Hauptkonkurrent für die Mercedes-Oberklasse: Neben Kapitän und Admiral war das Spitzenmodell Diplomat - hier beide Generationen - in Direktionsetagen beliebt. Vom B-Modell (r.) gab's auch eine 13 cm längere "Stretch-Limousine". Foto: Opel


1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg den „böhmischen Gefreiten“ Adolf Hitler zum Reichskanzler. Schrittweise folgte die Gleichschaltung der Gesellschaft und auch der Wirtschaft. Nur knapp vier Jahre zuvor verkauften die Opels ihre Automobilfabrik, die zum Marktführer im Deutschen Reich wurde. Ausgerechnet an den US-amerikanischen Branchenriesen General Motors. Die internationale Wirtschaft hielt den Atem an. Wie würden die Amerikaner reagieren? Vor allem aber, wie würden die Nazis reagieren? GM nahm den Faschisten ganz geschickt den Wind aus den Segeln…

Auch wenn Opel 1930, bedingt durch die Weltwirtschaftskrise, mal eben schlappe 14 Millionen Reichsmark einfuhr und die Absatz- und Mitarbeiterzahlen im Sinkflug waren, Opel war ein Schmuckstückchen in der GM-Schatulle, das man nicht ohne Not preisgeben wollte. Also musste man sich arrangieren. Und dies taten die Amerikaner auch. Jüdische Mitarbeiter wurden, wenn möglich, in die USA versetzt oder gekündigt. Führungspositionen wurden mit Parteimitgliedern besetzt. Bis 1936 war dieser Anpassungsprozess abgeschlossen. So konnte man sich nun wieder zu einhundert Prozent dem Wesentlichen zuwenden: dem Automobil. Opel verstand es, wahre „Volkswagen“ zu bauen. Noch bevor der gleichnamige Konzern gegründet wurde.


Der Kadett - hier ein B-Modell - war der größte Käferkonkurrent. Für ihn wurde in Bochum sogar ein neues Werk gebaut. Und auch das ist inzwischen Geschichte.
Foto: Oldtimerreporter.Gaubatz


1935 debütierte der P4, der auf Anhieb zum Liebling der Autofahrer avancierte. 65.000 gefertigte Einheiten in zwei Jahren, das war ganz nach dem Geschmack der neuen Herren aus USA. Doch es ging noch besser. Ebenfalls 1935 präsentierte Opel den Olympia. Das erste Serienfahrzeug mit einer selbsttragenden Karosserie. Opel war wieder an der Spitze, Mehr als 45 Prozent der Produktion ging in den Export. Und brachte so die wichtigen Devisen.

Der traurige Rest ist bekannt. 1945 waren die Nazis und ihr „Gröfaz“ verschwunden. Die Amerikaner waren immer noch da. Auch in Rüsselsheim. Und auch Opel war noch da.


Mit einfachen Mitteln in Konstruktion und genialer Werbung entstand Opels "Leuchturm-Modell" GT. Fähigkeiten die heutigen Marketing- und Rotstift-Strategen offenbar abhanden gekommen sind. Bild: Opel


Aber wie? Opel war am Boden. 1945 wurde nicht ein einziges Kraftfahrzeug produziert. Lediglich Instandsetzungen wurden durchgeführt. Ab 1946 produzierte Opel…
…Kühlschränke! Und zwar bis 1959 gingen die „Frigidaire“-Modelle zu den Kunden. Und auch die Automobilproduktion nahm wieder Fahrt auf. Nach und nach kämpfte man sich zurück an den Platz an der Sonne. Auch wenn eine große Wolke mit Namen „Volkswagen“ für Stirnrunzeln sorgte, Grund zum Wehklagen gab‘s trotzdem nicht wirklich. Mit neuen und innovativen Modellen konnte sich der Hersteller etablieren. Der Werbeslogan „Opel – der Zuverlässige“ war kein Wunschdenken, es war die Realität. Alle Modelle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Aber besonders die Modellreihen Kapitän, Rekord, Kadett und Ascona festigten den guten Ruf. Mit der „KAD-Reihe“, Kapitän, Admiral und Diplomat, konnte man sogar dem Oberklassen-Platzhirsch Daimler-Benz kräftig in die Suppe spucken. Der größte Rivale der Mercedes-Fahrzeuge hieß nicht Audi oder BMW, er hieß Opel. Doch nichts währt ewig hier auf Erden. Zu Beginn der 1980er ächzte die gesamte Automobilbranche unter einem enormen Rückgang, bedingt durch Golfkrieg und Ölkrise. Der Einbruch übertraf sogar den durch die Weltwirtschaftskrise bedingten Rückgang des Jahres 1929. Auch Opel fuhr nun Miese ein, mehr als 400 Millionen D-Mark Verlust musste in Rüsselsheim verbucht werden. Und den Rest besorgte Opel dann selbst. Man beauftragte den berühmt-berüchtigt gewordenen Manager José Lopéz mit der Sanierung. Dessen Rotstift-Orgie machte auch nicht vor der sprichwörtlich gewordenen Qualität halt. Etliche Vectra und Astra schafften nicht einmal die erste (!) TÜV-Hürde. Rostprobleme schon nach drei Jahren. Dazu kamen solche Nettigkeiten wie gebrochene Spurstangen, herausgefallene Heckscheiben und Funkenflug beim Tanken. Ein langweiliges Design schreckte dann auch noch die letzten treuen Kunden ab. Nur der 1982 vorgestellte Corsa konnte punkten. Und hat damit vermutlich sehr zur Rettung Opels beigetragen.
Nach vielen Irrungen und Wirrungen ist Opel, zusammen mit der britischen Schwester Vauxhall, Teil der französischen PSA-Gruppe geworden. Und die bange Frage keimt auf: Wird es Opel wie so vielen anderen ergehen? Denn der Löwe aus Sochaux hat bisher alle, die ihm in die Fänge kamen, mit Haut und Haar gefressen. Außer Citroen verschwand bisher alles, wie Simca oder Panhard. Wollen wir hoffen, dass der Name Opel auch in 120 Jahren noch existiert.


Brot und Butter: Der Rekord - hier die fünfte Generation - war die familiäre Seite von Opel - und beliebstes Behörden-Dienstfahrzeug.
Foto: Oldtimerreporter.Gaubatz


 
Teil I der Geschichte finden Sie hier...