Der nächste Sommer kommt bestimmt...
Fotos: Oldtimerreporter.Eichbaum


Prächtige Scheunenfunde gibt es nicht nur im Fernsehen, für Heidi und Michael kam der dritte Oldtimer ihrer Sammlung eher zufällig.
Da war der Roadsterspaß vorbei. Zumindest für zwei Studenten, die den 1974er MGB Roadster im Frühjahr 1997 von ihrer mehrwöchigen USA-Reise mit nach Berlin brachten. Die dortigen Schutzmänner fanden die Cali-Plates weniger erfreulich und kassierten die fremden Nummernschilder nach einem halben Jahr Hauptstadtverkehr endgültig ein.
Damit begann für den karosseriemäßig gut erhaltenem Briten eine intensive Suche nach einem geeignetem Lagerplatz, wo er dann 15 Jahre unangerührt verbrachte, berichtet Heidi und fährt fort: „Eines Tages fragte unser Nachbar, was wir denn so für Oldtimer bei uns hätten. Bei ihm würde auch einer rumstehen und ob wir Interesse an diesem alten Auto hätten. Das müsse endlich aus ihrer Scheune, der Besitzer wolle sich jetzt auch davon trennen. Mein Mann führte mit dem Besitzer eine ausgesprochen kurze Preisverhandlung, bis 1.000 Euro wollten wir gehen. Bei 100 kam der Handschlag.“

Der vom amerikanischen Erstbesitzer in der Nuance „braken“ georderte Wagen sollte längst restauriert worden sein, so war der Plan, doch nie war es dazu gekommen. Da das Farbkleid mehrfach Macken zeigte, wich es einem neuen im selben Ton, und auch die sonnenverbrannte Innenausstattung wurde ersetzt. Sitze und Armablagen ließen die Oranienburger gleich in Echtleder fertigen, ebenso eine Verkleidung für das oberseitig gerissene Armaturenbrett und die Mittelkonsole. Ferner besorgte Michael neue Türverkleidungen im originalen Autumn Leave, einen neuen Teppich und ein neues Verdeck aus Sonnenland-Stoff. „Obwohl wir den Wagen schon einige Jahre haben, arten An- und Abbau des Softtops jedes Mal in echte Fummelei aus, die mich schon manchen Fingernagel gekostet hat“, klagt Heidi.
Mit dem in der Garage befindlichem, steil nach hinten ansteigenden Hardtop bleibt dieser Ärger aus, nur ist es dann ebenfalls aus mit dem Fahren unter freiem Himmel.

Ein Clubkamerad half bei der Auffrischung der betagten Technik; bekannt war beim Kauf nur, dass der Motor drehe. Sogar sehr freudig, denn mit Sprit und einer frischen Batterie sprang der Wagen nach dem Erwecken spontan an, fuhr und bremste sogar, wenn auch etwas einseitig. Als 1974er US-Modell mobilisierte der 1,8-l-Vierzylinder mit zwei SU-Vergasern 80 PS und 127 Nm, in der Europaversion waren es 93 PS und 144 Nm. Die 1974 erstmals vorne und hinten behördlich verordnete Stoßabsorbierung wusste man im Hause Leyland nur mit geradezu absurd großen Gummipuffern zu verwirklichen.


Fummelig: Das "Mützchen" hat schon so manchen Fingernagel von heidi und Michael ruiniert.


Schließlich wurde im Folgejahr aus diesem Grunde das „Gummiboot“ lanciert. Auf die Puffer verzichtete man bei der Restauration gerne, was nicht nur der Optik zugute kam, sondern auch die Gesamtlänge um 15 auf 389 cm verkürzte.
„Kompakt, handlich und knackig“ – bringt die Oranienburgerin die Vorzüge ihres MGB auf den Punkt. „Zudem passe ich prima hinein, während mein hochgeschossener Mann den Sitz fast auf Liegeposition einstellen muss, um nicht die Sonnenblende auf Augenhöhe zu haben.“
Vor Augen führte sich auch der zum Doktor avancierte einstige Student und Eigner den Roadster nach dessen Restauration beim Oldtimertreffen 2017 in Berlin-Schöneweide und traute selbigen kaum. „Er war hin und weg. Die beim Kauf des Fahrzeugs versprochene Probefahrt, wenn denn alles wieder frisch ist, hat er allerdings ausgeschlagen.“ Vermutlich die richtige Entscheidung – wer weiß, wie groß der Gram über das fortgegebene und nun vollendete Projekt seinerseits gewesen wäre?