Ganz schön niedlich: DKW F11/F12.
Fotos: Oldtimerreporter.Gaubatz


Nun wundern wir uns aber, was? Was bitte soll der DKW F12 mit Mercedes gemein haben? Immerhin kaufte ja Volkswagen die AutoUnion, von der nur Audi übrig blieb. So weit, so richtig.
Allerdings hieß der Verkäufer Daimler-Benz AG. Und unter der Ägide des Stuttgarter Sterns erschien 1963 der DKW F12.
In Lebach traf der Oldtimerreporter ein seltenes und wunderschönes F12 Baur-Cabriolet.

Bevor wir aber das schöne Cabrio begutachten, wollen wir doch das Unternehmens-Wirrwarr aufklären. Die AutoUnion war ein Zusammenschluss der Marken DKW, Wanderer, Horch und Audi. Im April 1958 übernahm die Daimler-Benz AG 88 Prozent des Stammkapitals, ab Ende 1959 war „der Daimler“ alleiniger Herr im Hause. Schon früh bekundete Heinrich Nordhoff ein reges Interesse an der AutoUnion, Anfang 1965 übernahm VW über 50 Prozent der Anteile, Ende 1966 gehörten 100 Prozent dem VW-Konzern. Der Rest ist bekannt, von den vier Ringen blieb nur einer übrig: Audi. Trotzdem sind die vier Ringe nach wie vor das Markenzeichen der VW-Tochter. Was für Daimler-Benz blieb, waren einzig das Tochterunternehmen IMOSA im spanischen Vitoria und das Werk in Düsseldorf, das bald schon die legendären Mercedes-Transporter produzieren sollte.


Zeitgeist: Flossen auch am Kleinwagen.


Im Januar 1963 erschien er, der Nachfolger des DKW junior, den man aber schlicht F12 nannte. Im September des gleichen Jahres wurde das Cabrio, das beim Traditionsunternehmen Baur in Stuttgart entstand, vorgestellt. Von Anfang 1964 bis Anfang 1965, also nur knapp ein Jahr, wurde der Roadster produziert.
Eines dieser seltenen Cabrios, es wurden nur 2794 Stück gebaut, zeigte sich Ende Mai 2018 auf einem Oldtimertreffen im saarländischen Lebach. Und das in einem hervorragenden Zustand. Man möchte kaum glauben, dass dieser kleine Zweitakter nunmehr 54 Jahre auf dem hübschen Stoffbuckel hat. Der kleine DKW war nicht gerade eine Rennsemmel, aber für die damalige Zeit waren die 45 PS, die er aus seinem 889 cm³-Zweitakt-Dreizylinder schöpfte, recht ordentlich auf der Bahn unterwegs. Sogar wenn das zulässige Gesamtgewicht von 1020 Kilogramm erreicht wurde, blieb ihm nicht die Luft weg. Wenn auch nicht mehr ganz so agil, so konnte man doch mit der Motorisierung durchaus leben. Zum Einsatz kam ein Viergang-Getriebe, in dieser Fahrzeugklasse nicht selbstverständlich in jenen Tagen, das mit einem Freilauf gesegnet war.


Seinerzeit war die Lenkradschaltung noch Standard.


Damit vermied man ein unangenehmes Ruckeln beim Gaswegnehmen, der F12 rollte so deutlich angenehmer im Schiebebetrieb. Der Wählhebel für die jeweiligen Fahrstufen war, der Mode der Zeit entsprechend an der Lenksäule platziert. Das knapp vier Meter lange Autochen schaffte es so auf ganz passable 128 Stundenkilometer. Und verbrauchte dabei höchstens zehn Liter Sprit auf 100 Kilometern. Der offene Stuttgarter war nicht zuletzt auch Dank seines relativ kleinen Wendekreises von 10,7 Metern nicht nur auf Landstraßen, sondern auch in der Stadt gut zu bewegen.Ein Jammer, dass er nur so kurz produziert wurde. Einerseits. Sieht man heute noch ein F12 Cabrio, ist dafür die Freude umso größer. Andererseits. Wie dem auch sei, ob als abgespeckte Variante F11, oder als F12 Limousine oder Cabrio, der kleine DKW ist ein Stück deutsche Automobilgeschichte.