Wenn man genau hinschaut, erkennt man die Gene von Bad A: den 68-er Opel Admiral.
Fotos: Oldtimerreporter.Eichbaum


Eigentlich wollten Sebastian und sein Kompagnon nur ein auffälliges Promofahrzeug für ihren Modellautohandel haben. Aber fortan adelte ihren Messestand kein geringerer als der erste Lowrider Deutschlands.
„Erworben haben wir den Wagen 2008 von Helge, dem Erbauer. Der hatte den 1968er Opel Admiral A Ende der 80er Jahre gekauft und ihn zunächst mit hinteren Highjackern und fetten Reifen zur damals angesagten Street Machine getrimmt und war 1992 prompt in der Erstausgabe der Flash Opel Scene gelandet. Dann fing er an, die Limousine jeden Winter weiter in Richtung Lowrider umzubauen“, schildert der Unternehmer die Entstehungsphase. Eine Customfront, bestehend aus einer zweiten KAD-Stoßstange, 16 umgedrehten Käfer-Stoßstangenhörnern und Polo-Scheinwerfern durfte es schon sein.


Eigner Sebastian (oben) und Kumpel Mirko freuen sich ob des niedrigen Dachs über die gute Fernsicht...


An den Flanken fallen wie bei den hüpfenden US-Vorbildern die Lakepipes entlang der Schweller und vor allem das Topchop auf. Satte fünf Zoll, also 12,5 cm wurde das Dach tiefergelegt. Mit zwei Trennschnitten pro Säule und dann wieder zusammenbraten war es aber nicht getan: Alle Scheiben samt Rahmen mussten angepasst beziehungsweise neu gefertigt werden, die Dachhaut in Länge wie Breite vergrößert werden. Die Heckpartie verlängerte Helge um 25 cm, passte mittig ein Continental Kit ein und ersetzte die Breitband-Rückleuchten in bester Ami-Manier durch je drei 1959er Cadillac-Kappen pro Seite. Sicher kein Zufall, denn DER Lowrider schlechthin, der Chevy Impala – vorzugsweise von 1964 – trägt ebenfalls ein 2x3-Setup.
Die Türverkleidung polsterte Helge dick auf und versah sie stilecht mit tiefliegenden Knöpfen und Armlehnen eines heute nicht mehr nachvollziehbaren Amis, die Bänke wurden neu bezogen und zur Kompensation der verlorenen Kopffreiheit schräger gestellt. Zudem wurde ein Schiebedach in den passend zum Rest mit rotem Leder verkleideten Himmel geschnitten, man will ja beim Rückwärtsfahren für bessere Sicht auch mal den Kopf rausstrecken. Mit der luftbasierten Niveauregelung an der Hinterachse war allerdings kein Staat zu machen, ein echter lo-lo posiert, hüpft, tanzt oder springt stets hydraulisch.



Chrom muss, Plüsch sollte: ein Blick auf die kuschelige vordere Sitzbank.


„Helge änderte nichts an der Aufhängung, sondern verbaute nur statt der Dämpfer die Pumpenanlage einer 70er-Jahre Lkw-Ladebordwand und passende Hydraulikstempel. Damit lässt sich der Opel flach ablegen, vorne tief und hinten hoch oder umgekehrt stellen, seitlich schräg pumpen und auch mit einem Rad in der Höhe zum Dreibeiner bewegen.“ Ganz klar Snoop-approved, auch weil die obligatorischen Speichenräder montiert sind und nach umständlichem Wienern auch wieder anständig glänzen.
„Wie gewünscht, erwies sich der Opel als ein echter Publikumsmagnet. Seinen letzten Auftritt hatte der auf der Messe in Berlin 2009 und der Wagen verschwand dann bis 2016 in einer Garage. 2016, inzwischen war ich alleiniger Eigentümer geworden, brachte ich ihn in eine Werkstatt, die zig Teile auswechselte und einen sagenhaften Betrag aufrief. Jedenfalls traf ich, nachdem ich durch Kurzschluss fast den Wagen abgebrannt hätte, glücklicherweise auf Mirko von der Fahrzeugpflege Szidat, der nicht nur die letzten verbliebenen Schnitzer behob, sondern den Opel auch optisch auf Vordermann brachte.“


Von hinten sieht Bad A beinahe noch martialischer aus.


Neben einer aufwendigen Politur des 20 Jahre alten Acryllacks wurden die vorderen Türverkleidungen neu gestaltet, und sämtliche vorher in der Armauflage untergebrachten Schalter wanderten ins Armaturenbrett. Der 2,8-l-Vergasermotor mit 140 PS war nebst nachgeordneter Dreistufen-Automatik indes fit und dank Fächerkrümmern und Edelstahlanlage recht stimmgewaltig.
Gewaltig war auch das Echo, das Sebastian und Mirko erlebten, als sie den Lowrider nach seiner langen Pause erstmals wieder an die Öffentlichkeit brachten: „Wir waren im Vorfeld und bei der Premiere des „Bad A“ getauften Admirals bei den US Car Classics Schloss Diedersdorf 2019 enorm überrascht, wie viele Leute den Opel noch von früheren Shows kennen. Natürlich ist solch ein Umbau nicht für jeden was, aber die zahllosen positiven Reaktionen sind überwältigend!“