Oldtimerreporter überregional

Kraftprotz: Der 280E mit 185 PS war damals trotz der „Aerodynamik einer Schrankwand“ mit rund 200 km/h „Chef“ auf der linken Spur. Noch mehr Spaß kommt auf, wenn man den Schriftzug am Heck gegen 200D tauscht. Fotos: Daimler AG, Oldtimerreporter.Haehnel (1)    


Was musste er alles über sich ergehen lassen. Stricher, Wanderdüne, Bauern-Benz, rollende Schrankwand, Heizöl-Ferrari, um nur die häufigsten Spötteleien zu nennen. Bis heute halten sich diese Begrifflichkeiten im Sprachgebrauch, wenn es um den schwäbischen Konterrevolutionär geht. Allerdings nennen ihn  heute ausgerechnet seine Anhänger so, mit einem liebevollen, fast zärtlichen Unterton.
Aber wieso soll der /8 ein Konterrevolutionär sein? Auf den ersten Blick scheint dem tatsächlich so, kam er doch streng konservativ aussehend und mit seinen hochstehenden Scheinwerfern fast schon arrogant erhaben dreinschauend in die Verkaufsräume der Händler. Im Januar des Jahres, in dem die Studenten zum Sturm auf die bürgerliche Bastille bliesen, 1968 erschien er also auf der Bildfläche.
Die Daimler-intern W114 und W115 genannte Baureihe, die so erfolgreich werden sollte, dass sie 1974 sogar den Golf in der Zulassungsstatistik überholte. Zugegeben, der Golf kam erst im Mai 1974, aber immerhin. Somit erklärt sich übrigens auch die Bezeichnung /8. Das Kürzel steht für das Erscheinungsjahr 1968, um die noch einige Zeit weiter produzierten W110-Modelle, die teilweise die gleichen Typbezeichnungen trugen, zu unterscheiden.
Die W115-Modelle umfassen die Vier- und Fünfzylinder-Modelle, das Kürzel W114 sagt aus, dass man einen Reihen-Sechszylinder vor sich hat. Anfänglich...

Wie sehr der Meister ins Detail geht, zeigen die Preistafeln des gebrauchten Peugeot und des Simca auf dem Gebrauchtwagenplatz. Fotos(4): Robert Göschl


Der Oldtimerreporter führt eine neue Rubrik ein, Thema: Modellautos. Denn nicht nur die Originale sind zum Teil schon kultige Kisten, auch ihre Miniatur-Ableger sind äußerst beliebt. Den Auftakt zu unserer neuen Reihe bildet allerdings eine ganze Armada von Modellautos. Der Österreicher Robert Göschl baut Modell-Szenen. Und Bilder seiner Werke wurden auch schon in Büchern des Motorbuch-Verlages veröffentlicht.
Robert Göschl ist Verkaufsleiter beim Autohaus Gerlach im österreichischen Straßwalchen. Doch für ihn ist es nicht nur ein Job beim Renault-Vertragspartner, es ist weit mehr. Es ist eine Art Lebensgefühl. Das zeigt sich schon beim Fuhrpark Göschls. Nicht weniger als acht Fahrzeuge zählt der Bestand, darunter auch Exoten wie Renault 15, Avantime und eine Alpine. Mit viel Liebe hegt und pflegt er seine Lieblinge. Doch Göschl hat auch eine andere, eine weniger zärtliche Seite...
Robert Göschl steigt die Stufen hinab, die ihn in die Katakomben seines Hauses führen. Er betritt einen Raum. Sein Blick ist fokussiert, er ist fest im Willen. Heute muss es passieren. Und da liegt sie auch schon vor ihm. In ihrer ganzen, unbefleckten und reinen Unschuld. Zärtlich streichen seine Finger über sie, doch dann packt er sie, hält sie fest in seiner Hand und beginnt sie sauber zu zerteilen.
Keine Angst, das ist kein Auszug aus Stephen Kings neuestem Roman. Und auch kein Horrorbericht aus der Kronenzeitung. „Sie“ ist eine Alpine A110 im Maßstab 1:43. Und sie wird Teil eines genialen Projektes. Denn Robert Göschl baut in seiner knappen Freizeit Dioramen.

Klassiker der anderen Art: Thomas Thomas gibt seinen Golf nicht her.
Fotos(3): Oldtimerreporter.Fröhlich


Wenn Thomas mit seinem Wagen auf einem Oldtimertreffen erscheint, fällt er auf. „Was will denn der 3er Golf hier?“, wird schon bald gefragt. Ist es doch nicht mal einer der seltenen VR6 oder zumindest ein Cabrio. Außerdem steht der teils handgepinselte Lack in krassem Gegensatz zum Hochglanzfinish anderer Karossen. Wenn er dann noch die Motorhaube öffnet, folgt Entsetzen: alles bunt angemalt! Doch dann: Staunen. Meist mittig platziert findet sich ein Schild: „833 671 km“. So war zumindest der aktuelle Stand auf dem DEKRA-Treffen in Tempelhof. Und wenig später verschiebt sich die Menschentraube vom glitzernden Porsche nebenan  zu dem betagten Golf.
Thomas Thomas (ja, so heißt er wirklich, doch dazu später) hat mich in den langen Werdegang des Dreier eingeweiht. Hier spielt auch die Vorgeschichte eine Rolle. Des Golfes Vorgänger war ein Lancia Dedra, als Neuwagen gekauft und quasi nie ohne Probleme gelaufen. Richtig gelesen: nie ohne. Heizung undicht, Zahnriemen gerissen, Getriebe, Steuerteil: volles Programm. Ein echtes Montagsauto. 2001 hatte Thomas die Nase voll, etwas Grundsolides musste her, und wenn’s geht mit einer ebenso preisgünstigen wie ausgezeichneten Ersatzteilversorgung: ein Golf. Was sonst? Der 1,8-Liter-Motor mit überschaubaren 75 PS hatte 180.000 km gelaufen, in alten Zeiten rechnete man da mit einem baldigen Motor- oder Getriebetod. Neun Jahre hatte er auf dem Buckel und wartete bei einem kleinen Autohändler auf seinen Entdecker. Für...

Glitzerkram: Auch im Osten wollten die Funktionäre glänzen.
Fotos: Oldtimerreporter.Eichbaum


Wer in den USA in der zweiten Hälfte der 50er etwas zu sagen hatte, saß bevorzugt in Cadillac, Lincoln und Imperial, während die östliche Nomenklatur gern die GAZ 13 Tschaika bestieg. In überraschend vielen Punkten glichen sich die Nobelschlitten aus Ost und West.
Die erste Tschaika verließ als GAZ-13 im Jahre 1959 das Automobilwerk Gorki. Während der ZIL-111 exklusiv den ersten Genossen als Staatskarosse diente, fungierte sie als prestigeträchtiger Dienstwagen weniger hoher staatlicher Organe. Gestalterisch lehnte sie sich unmissverständlich am 55er/56er Packard an – auch ZIS 110 und ebenjener ZIL 111 waren kaum verhohlene Packard-Kopien – und wartete mit Stilkniffen weiterer US Cars wie Rückleuchten im mittfünfziger Buick-Look auf. In Ermangelung eigener Kompetenz wurde von den verteufelten Imperialisten auch in der Architektur in Form eines Leiterrahmens mit separater Stahlkarosserie imitiert. Auch die Maße vom GAZ Oldtimer kamen denen eines ausgewachsenen US Cars nahe: Auf 325 cm Radstand trafen 560 cm Länge, 200 cm Breite und 162 cm Höhe; das Leergewicht der Tschaika lag bei 2,1 Tonnen. Wenn auch...