Oldtimerreporter überregional

Auch im aktuellen Renn-Trimm zeitlos schön. Der Melkus RS 1000. Fotos: Oldtimerreporter Eichbaum.


Der Lotus Elan inspirierte nicht nur zum Mazda MX-5: Auch der selbständige Rennwagen-Konstrukteur und ehemalige Rennfahrer Heinz Melkus ließ sich in den Bann des leichten Flitzers ziehen. Start frei für den sensationellsten Serienwagen der DDR!
Die Begeisterung führte schließlich zu einem Mittelmotor-Sportler, denn gleichfalls waren Ferrari und GT40 an dem durch seine Formel-Junior-Wagen bekannten Sachsen nicht spurlos vorbeigefahren – nur derart große Triebwerke schlicht nicht aufzutreiben. Also...

Starkes Team: Jürgen Meckel und sein Aro.
Fotos: Oldtimerreporter.Obuchoff


„Der sieht einfach wie ein Auto aus: Hat ein großes Maul, zwei Augen und hat Rundungen wie eine Frau“, so begründet Jürgen Meckel sein Interesse für den ARO M461.  Und: „Der macht, was andere nicht können.“ Was das bedeutet will der 59-jährige Rettungssanitäter mir sofort zeigen. Wir gehen raus. Seinen Bauernhof am Rand des ältesten Kolonistendorfes im Oderbruch Neulietzegöricke hat Jürgen Meckel umgebaut. Im Wohnhaus gibt es zwei Gästezimmer, und der Stall birgt Garage und Lagerräume. Das Dachgeschoss darüber soll demnächst als Wohnung für seine Schwester ausgebaut werden.
Als erstes springen freudig die drei Hunde ins Freie. Die beiden riesigen Rhodesian Ridgebacks Jambo und Iza sowie der kleine Mischling Susi glauben wohl, es gehe aufs Feld. Das stimmt zwar, aber nicht für die Tiere, sondern für den ARO, der seine runde Schnauze schon aus dem Garagentor reckt. Das 2,4-Liter-Tribwerk springt sofort an.

Das alles und noch viel mehr muss raus.
Fotos: Oldtimerreporter Zobel


Stellen Sie sich vor, Sie wären Herr über einen riesigen Fuhrpark. Sozusagen für jede Stimmung das richtige Vehikel. Sie könnten jeden Tag  zwischen 32 Mercedes, 10 Porsche, 25 VWs, 10 Audis und etlichen anderen Wagen sowie 32 LKWs und 15 Nutzfahrzeugen  wählen. Kurz um, Ihr Fuhrpark für den täglichen Gebrauch umfasst 167 Fahrzeuge. Ganz zu schweigen von den über 200 niegelnagelneuen  Fahrzeugen, die noch nie einen Kilometer gefahren sind.
Wenn Sie das nächste Mal in ein Parkhaus fahren, sagen wir mit einer Kapazität von 600 Stellplätzen auf drei Ebenen, dann wären  zwei  dieser Ebenen komplett mit ihrem Fuhrpark belegt.
„Alles eine Sache der Perspektive“ sagt Dieter Schmurr, der 84-jährige Besitzer dieser beeindruckenden Flotte mit einem Lächeln und fügt hinterher zu: „Meine gebrauchten Wagen passen alle in zwei Keksdosen und die OVPs sind staubfrei in einem Karton verpackt.“

Frank Petzchen und sein Überlebender. Fotos: Oldtimerreporter.Fröhlich


Am  30. April 1991 lief der letzte Trabant in Zwickau vom Band – doch verkauft wurden die letzten Neuwagen erst im Jahre 1996. Wie kam‘s dazu? Im November 1989 war die Mauer gefallen, und in der darauffolgenden Zeit der Fast-Anarchie fluteten Abertausende von Zehnthand-Gebrauchtwagen aus dem Westen die Neuen Bundesländer: VW Golf, Ford Fiesta, Opel Kadett. Zustand egal, Hauptsache fahrbereit. Die eben noch sehnlichst erwarteten Trabant wurden lieblos in den Nebenstraßen der Großstädte abgestellt. Selbst der Zwitter mit den vier Takten eines Polo-Herzens wird verschämt in der Garage versteckt.
Gleichzeitig wandern viele der nagelneuen Eins-Einser nach Ungarn, dort hat man noch ein Herz für die etwas altbackenen Trapezlimousinen.
Nun ist ein türkischer Geschäftsmann der Meinung, der knuffige Kleinwagen wäre das Auto für seine nicht ganz so zahlungskräftigen Landsleute. Denkt’s und verfrachtet um die 500 Trabanten in die türkische Mittelmeerstadt Mersin. Allerdings hat er die Rechnung ohne die heimischen Behörden gemacht. Die erteilten den Zwickauern nämlich keine Einfuhrgenehmigung.
Irgendwie dumm gelaufen: Jetzt stehen um die 500 Neuwagen ziel- und sinnlos im Zollbereich des Hafens von Mersin rum. Irgendwann geht die Firma des Geschäftsmannes pleite. Und die salzige Meeresluft beginnt, ihr teuflisches Werk zu verrichten.