Oldtimerreporter überregional

Nicht nur Kanzler, sondern auch Schausteller bevorzugten die S-Klasse. Erstere als Repräsentationsobjekt, die Zweiten als Zugfahrzeug für ihre schweren Wohnanhänger. Bis zu 286 PS standen letztlich zur Wahl. Foto: Daimler AG


Westdeutschland 1972. In einer niedersächsischen Kleinstadt rollt gerade der 15.000.000ste Krabbler vom Band. Automobile Revolution findet andernorts statt. Revolution? Wo? Bei uns nur in Maßen. Wer das 1972 sagt? Unter anderem Mercedes. Man sei, so heißt es, in Rufweite hinter der Mode.
Doch plötzlich muss man im Schwabenland gar nicht mehr so laut rufen, um die technische Mode zu hören. W 116 heißt das Zauberwort der Erneuerung, und die hat es buchstäblich faustdick in sich. 4,96m – 5,06m Länge. 1,43m Höhe. 1,87m Breite. Nein, das sind nicht die Ausmaße des Kleiderschranks von Verena Pooth. Es sind die Abmessungen des Mercedes W116.

Nicht ganz billig: Ein gutes Zweier-Coupé bewegt sich bei etwa 10.000 €. Foto: Oldtimerreporter.Müller.


Ein niedliches  Etwas, dass da ab 1955 von den Glas-Bändern in Dingolfing purzelte. 250, 300 oder 400 zweitaktende Kubikzentimeterchen im Heck, maximal 20 PS aus zwei Zylindern, ein Fahrwerk mit pendelachsigen O-Beinen hinten UND vorne. In der Ebene gab es ein gewisses Vorankommen, das Erklimmen von Bergen bedurfte einiger Geduld – auch der des Hintermanns. 2,90 m Gesamtlänge, Platz für zwei schlanke Personen plus ein schlankes Kind. Klingt alles nach einem Rezept für einen Misserfolg, finden Sie? Mitnichten, Klein-Goggo entwickelte sich zum heimlichen Liebling hinter dem bereits allmächtigen Käfer. Aber wie kam das zustande?

Der AMC Gremlin auf Basis eines gekürzten Hornet war für damalige Verhältnisse schon gewagt, der rundliche AMC Pacer mindestens revolutionär. Zumindest die Karosserie.
Einerseits baute der AMC bei 254 cm Radstand mit 436 cm sehr kurz, andererseits glichen Höhe und Breite von 136 respektive 196 cm zeitgenössischen Fullsize-Limousinen. So war es auch nur richtig, dass AMC den im Februar 1975 lancierten Pacer als „the first wide small car“ anpries. Der hohe Glasanteil machte den ersten breiten Kleinwagen mit angesagtem Schrägheck sehr übersichtlich, die reichlich installierten Karosserieverstärkungen wie etwa der Seitenaufprallschutz den Pacer sehr sicher. So sicher, dass er in vielen Destruction Derbies nicht zugelassen, da zu überlegen war. Schwer allerdings auch: Ohne jegliche Extras kam der AMC Oldtimer in Grundausstattung schon auf satte 1.440 kg. 

Nach der großen Modellpflege im Vorjahr fielen die Neuerung am Jeep Grand Wagoneer 1987 eher spärlich aus. Für Jeep als Mutter des betagten wie beliebten Grand Wagonner passierte um so mehr – am 2. März 1987 übernahm Chrysler AMC und damit auch Jeep. So hatte der 86er Jeep Grand Wagoneer ein neu gestaltetes Armaturenbrett in Holzoptik mit verbesserter Klimasteuerung und eine überarbeitete Lenksäule mit Bedienhebeln für Beleuchtung und Scheibenwischwaschanlage sowie neuem Lenkrad bekommen. Außen sorgten ein neuer Kühlergrill, ein neues Holzdekor und ein stehendes Haubenornament für frischen Wind. Kein Wunder, dass Jeep es im Folgejahr bei sehr subtilen Änderungen, einschließlich neuer Innenfarben und der Neuplatzierung der inneren Türgriffs beließ. Wesentliche Exterieurneuerung am ’87er Grand Wagoneer stellten die in Schreib- statt Blockschrift gehaltenen Typenschilder dar; zudem sollte es der letzte Jahrgang werden, der Leichtmetallräder mit Goldeinlagen verwendete.