Gala-Nacht anders: Scheunenfund-Atmosphäre als Kontrastprogramm.
Fotos: Oldtimerreporter.Eichbaum


Bei der fünften Auflage der Motorworld Classics Berlin gab es eine erhebliche Neuerung: Die Oldtimermesse tagte erstmals parallel zur Boot & Fun Berlin. Der offizielle Startschuss fiel so am 20. November 2019 um 18 Uhr mit der Gala-Nacht der Boote und Oldtimer. Die große Sause ließen wir uns nicht entgehen.
Den Presserundgang durch die Autohallen inklusive abschließender Yachttaufe mit Zuckerglas-Flasche – die Sicherheit, Sie ahnen es – mit Schlaghose und Schulterpolstern absolviert, dann öffneten sich um 18 Uhr die Tore fürs zahlende Publikum. Es kamen – Spannungspause, Trommelwirbel – viele. Richtig viele. 12.000! Ob denen, die nun eher der Sinn nach landgebundenem Altmetall oder seegängigem Fiberglas stand, ist nebensächlich. Volles Haus ist nun mal volles Haus.

Die Gäste labten sich reichlich am Begrüßungssekt und zeigten nicht nur großes Interesse an den dargebotenen Zwei-, Drei- sowie Vierrädern, sondern auch am Rahmenprogramm unter dem Motto „Roaring Twenties”. Vergnügen vergangener Tage ließen die charmanten drei „Herr’n  von der Tankstelle“ mit Gassenhauern  wie „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“ aufleben. Auch „The Cool Cats“ gaben 20er-Jahre-Klassiker wie „Puttin on the Ritz“ zum Besten, während das „Rufus Temple Orchestra“ für jazzige Kontraste sorgte und Meta Hüper mit zwei weiteren Ladies tüchtig swingte.


Galant, galant - einer der Herren von der Tankstelle im "vertieften" Gespräch mit den Ladies.


Da es sich um eine Fahrzeugmesse handelte, durfte auch ein Musikwagen nicht fehlen, derlei gab es in Berlin bekanntermaßen ja schon vor der Loveparade. Einige Dekaden jünger und ohne eigenen Antrieb war der Leierkasten, mit dem das Orgelinchen zwischen prächtigem Edelholz, poliertem Lack und blitzendem Chrom „eenfach dufte Berliner Musike“ verbreitete. Für Wein und Gesang war folglich gesorgt, der noch fehlende Punkt „Weib“ kam auch nicht zu kurz: Zu den weiteren Walking Acts zählten die passend zu den goldenen 20ern in güldene Glitzereien gewandeten Swing-Dance-Girls, die gleichermaßen mit Anmut und langen Beinen so manchen verzauberten. Für den letzten Schliff am eigenen Auftritt sorgten Schuhputzer und Barbiere, für eine abgerundete Atmosphäre die üblichen Messeboys in Overalls und die Hostessen in Etuikleidern. Auch die Besucher waren herzlich eingeladen, inVintage- oder Retro-Garderobe zu erscheinen, bevorzugten aber eindeutig den Stil der ausgehenden Zehner-Jahre des aktuellen Jahrtausends.


Swinging Twenties: Meta Hüper und Co mischen die Gala-Nacht auf.


In den goldenen 20ern wurde in Berlin aber nicht nur kräftig gefeiert, sondern tatsächlich auch fleißig getüftelt und gewerkelt: Hier und in Brandenburg waren einst die größten Automobilbaufirmen des Landes verortet rund 200 an der Zahl. Die zusammen mit dem Deutschen Technikmuseum in Berlin und dem PS.Speicher Einbeck durchgeführte Sonderschau „Berliner Automobilbau“ präsentiert historische Autos und Motorräder aus dieser ereignisreichen Dekade, die sonst mehrheitlich für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Eines der Highlights der Stars der Ausstellung in der Ehrenhalle und im Palais am Funkturm ist ein Ego 4/14 PS der Berliner Ego-Werke aus dem Jahr 1922, das einzige überlebende Exemplar. Auch um den letzten verbliebenen BOB Sport von1920 scharten sich die Gäste in Trauben, beseelt die gute, alte Zeit und sich selbst für die gute Idee des Gala-Besuches der Motorworld Classics Berlin 2019 hochleben lassend.