Genügsam wie die Dromedare: der Mehari und sein Fahrer.
Fotos(3): Oldtimerreporter.Müller


Ein Würfel. Geschätzte 2.50m breit, 2.00 m hoch und 3.00 m lang. Mit L – Leisten eingefasstes Blech mit Minipli – Wellen. Im Würfel zwei Betten, schräge Musterung. So steht „es“ namens Casita 245 x 300 vor mir. Ganz offensichtlich handelt es sich bei dem Miniwürfel um einen faltbaren Wohnwagen. Diese Einschätzung bestätigt mir sogleich der stolze Besitzer des fahrenden Wohnzimmerchens. „Aufgeklappt und Plane rum – fertig.“
So beschreibt er den fixen Aufbau der kleinen Schlafstätte mit Rädern. Er sagt, man könne auch Urlaube zu viert im Würfelchen verbringen, ohne Zweifel. Ob man dazu die Gelenke eines chinesischen Zirkusartisten haben müsse, lässt er offen. Viel lieber lenkt er das Gespräch auf die weiteren Kuriositäten aus seiner Fahrzeugsammlung. Da wäre z.B. ein Citroen C4-LKW aus dem Jahr 1932. Gab es damals oft, sagen Sie? Stimmt, in der Version mit vier Rädern ganz sicher. Aber in der Variante als Kettenfahrzeug für Stock und Stein? Wohl eher nicht. Die Legende sagt, dass ein oberer Zehntausend Russlands in den 20er-Jahren das Bedürfnis nach einem geländegängigen Fahrzeug für die Jagd in der Steppe gehabt habe.

Andre Citroen habe von diesem Bedarf erfahren und sei zur Tat geschritten. Ein beeindruckendes Ergebnis ergab sich! Der heutige Besitzer kann seine Rarität aus verständlichen Gründen nicht mit zum ACC-Pfingsttreffen bringen. Die Anreise wäre etwas beschwerlich und die Straßenschäden einigermaßen enorm…


Stilbruch? Ein HY-Camper mit Solartechnik.


Der heutige Geländefahrer und Alt- Citroenist reist etwas bequemer mit dem Mehari an. Das lästige Kettenrumpeln entfällt und die Straßenmeisterei dankt es dem Mehari – Lenker sehr. Ein WENIG schneller ist er auch, 602 ccm und 28 PS sei dank. Für fünf Gemüsekisten an der Atlantikküste reicht das völlig aus – dazu ist es formidabel bequem, wie der Franzose sagt. Sogar noch ein Minimum schneller reist es sich im Visa Club mit 650ccm und 34 PS. Und immer noch formidabel bequem. Merke : Ein Scheibenwischer, zwei Zylinder – Komfort unendlich. So etwas gelingt nur französischen Autos, möchte ich behaupten. Nun gut, sie beanspruchen auch gelegentlich die Leidensfähigkeit ihres Besitzers – aber tun das andere Mobile nicht auch? Eine Portion Leidensfähigkeit muss wohl bei französischen Autos bis zum heutigen Tag mitgebracht werden, das streiten nicht mal ihre Fans ab. Sogar der rührige Vorsitzende des ACC Deutschlands bestätigt das. Der muss es ja wissen, schließlich fährt er ein Franzosen-Mobil, freiwillig. Aber wie es den Anschein hat, ist die Leidensgemeinschaft der Franzonisten eine große Familie. Man hilft sich, sei es im komplizierten Reparaturfall oder eben wenn es darum geht, miteinander etwas auf die Beine zu stellen, wie ein Treffen mit Freunden und Gästen des ACC Deutschland.
Das savoir vivre Frankreichs ist eine Komfortzone, ganz wie die Federkugeln einer DS oder die langen Federbeine eines R4. Und so gleitet man entspannt den Tag hindurch, stressfrei und entschleunigt. Vive le savoir vivre! 


Klappbares Hotelzimmer - wo Oldtimer-Fans so übernachten.