Klein, kleiner, allerliebst: Dieser gesegnete Fiat 500 führt ein Zwillingsbrüderchen als Modell mit. Foto: Oldtimerreporter.Gaubatz


Der heilige Christophorus gilt als Schutzheiliger der Reisenden. Einmal im Jahr macht der Heilige Rast in St. Wendel, einer Kreisstadt im nördlichen Saarland. Das Highlight des Old- und Youngtimertreffens ist die Segnung der Fahrzeuge durch den örtlichen Pastor. Der Oldtimerreporter berichtet von kleinen und großen Autos, Amerikanern an der Saar und der guten alten Post. Und hat noch mehr gesehen.

St. Wendel, ein kleines, beschauliches Kreisstädtchen im Saarland. „Uff de Mott“, wie der Einwohner den Schlossplatz nennt, veranstaltet der „M.C.W. Motorsport Historiker St. Wendel“ alljährlich den Christophorus-Tag mit Fahrzeugsegnung. Und aus der gesamten Region reisen die motorisierten Pilger an. Auf einem Parkplatz vor dem eigentlichen Ort des Geschehens wurden die Ankommenden gesammelt. Und da standen sie dann: der bis ins kleinste Detail restaurierte Fiat 500 neben dem Pagoden-Cabrio und dem Ovali-Käfer. Der auf Hochglanz polierte W116 platzierte sich neben den US-Kreuzern und einem originalen Invicta des Baujahres 1929. Auch die Service- und Dienstleistungsbranche war vertreten. So fand sich außer einem London-Taxi von 1960 auch ein Techniker-Fahrzeug der Fernmeldesparte der Deutschen Bundespost. Ein bunter Reigen bunten Blechs.
Ab 11 Uhr wurde dann zur Audienz gebeten, die Protagonisten wurden auf den Schlossplatz dirigiert. Bei der Einfahrt musste jeder einzelne Teilnehmer vor die eigens aufgebaute Bühne rollen, wo ein fachkundiger Moderator Fahrer und Fahrzeug vorstellte und auch zu den Autos die eine oder andere Anekdote wusste. Mit ein paar Dutzend Helfern des Vereins ging das professionell und unauffällig vonstatten.

Also alles gut organisiert, der Schutzheilige hat sogar bei seinem Kollegen, der für das Wetter zuständig ist, reichlich Sonne und wenig Wolken bestellt. Kein Wunder also, dass jede Menge Zaungäste in den umliegenden Cafés dem Treiben beiwohnten. Auch an die Motorradfahrer wurde gedacht, ein eigener Platz wurde extra als Parkfläche für Zweiräder reserviert. Man merkte an jeder Kleinigkeit, dass die Vereins-Mitglieder des M.C.W. alte Hasen sind, die das nicht zum ersten Mal machten.
Bei den Fahrzeugen gab es einige Exponate, die man besonders erwähnen muss. Neben einer Corvette C3, dem „Coke-Bottle-Flitzer“ aus den USA, muss der Beardmore Paramount MK VII genannt werden. Der 1960 entstandene Wagen wurde als Taxi in Englands Hauptstadt London eingesetzt und wurde vom jetzigen Besitzer perfekt restauriert. Die Entwickler des Fahrzeugs waren wohl ausgesprochene Pragmatiker, war doch die Wartung und Pflege des Autos Dank der „Serviceklappen“ im Inneren, auch ohne Hebebühne oder Grube möglich. Weltweit existieren vielleicht noch 200 Exemplare. Den in gleicher Reihe gefundenen Fiat 500 mag man auf den ersten Blick als nicht gerade „besonders“ erkennen. Was ihn dennoch erwähnenswert macht, das ist sein perfekter Zustand. Der Besitzer hat ihn bis zur kleinsten Schraube neu aufgebaut, der kleine Motor wirkt fabrikneu und das kleine Modellauto gleichen Typs, das auf dem Armaturenbrett platziert ist, strahlt in der gleichen Farbe wie das Original.


Deutsche Bundespost - Fernmeldedienst: Ein Dienst-Polo kurz nach dem die Farbe der amtlichen Fernmelder von grau auf das sonst übliche Postgelb gewechselt war.


Doch dann muss sich der Oldtimerreporter die Äuglein reiben. Was bitte ist denn das? Seit wann können Briefkästen fahren? Oder was soll es sonst sein? So klein, eckig und gelb. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich der vermeintlich rasende Postkasten als VW Polo der ersten Serie. Ebenfalls in einem hervorragenden Zustand zeugt die Türbeschriftung unter dem Posthorn von seinem ehemaligen Einsatzzweck. Der Polo diente als Servicewagen der posteigenen Fernmeldebrigade. Und ist damit Zeuge einer Zeit, in der man Worte wie Telekom, T-Com oder Flatrate vergeblich in Herrn Dudens Werk suchte.
Alles in Allem, es war ein tolles Treffen mit tollen Fahrzeugen, das toll organisiert war. Und das den Oldtimerreporter wohl auch nächstes Jahr sehen wird. Zumal, typisch Saarland, wo jeder jeden kennt und jeder jedem hilft, die 72-jährige „Monika vunn de Mott“ eifrig dabei half, das Extrablatt zu verteilen.