Mittendrin statt nur dabei: Oldtimerreporter Arild Eichbaum konnte mit einem historischen Ford-Renner selbst Gas geben. Fotos: Oldtimerreporter.Eichbaum


Als bei den Schloss Dyck Classic Days alles aufs traditionelle Kommando „Gentlemen…start your engines“ wartete, waren wir nicht nur dabei: Auf Einladung von Ford pilotierten wir beim Ehrenlauf einen Ford Sierra RS Cosworth über den Parcours. Schon vor dem Mittagessen hinterm Auto einen heben? Standard bei den Schloss Dyck Classic Days! Nur dass es bei weit über 30°C in historisierender Ausgehkleidung unter schattigen Bäumen nicht Pilsator, sondern Pommery am Klapptisch genossen wurde. Auf die sonst die Alleen säumenden Strohballen musste 2018 wie auf Tabakkonsum aus Brandschutzgründen verzichtet werden, der weidene Picknickkorb wurde in den Kofferräumen zumeist deutscher und britischer Klassiker dennoch selbstverständlich in Szene gesetzt.
Auch sonst war das alles andere als eine Sonntag-mit-Bratwurst-auf-Parkplatz-Veranstaltung, mit dem Concours d´Elegance „Jewels in the Park“ stellen die Classic Days eine von global lediglich nur neun Veranstaltungen dar, die als würdig erachtet wurden, das Prädikat der FIVA der Kategorie „A“ = Spitzenklasse zu führen.

Besonderes Augenmerk legt die Auswahlkommission des Veranstalters auf Coachbuilding-Fahrzeuge á la Erdmann & Rossi oder Saoutchik sowie Einzelstücke. Zu alt für den eigenen Geschmack? Dann drauf los gewandelt und mittendrin einen dreiachsigen Land Rover Forward Control-Abschlepper samt eleganter Ladung, oder gleich drei Bristol im Paket entdeckt! Zwei weitere ganz besondere britische Klassiker hatte der Bentley-Boy Chris Williams mitgebracht, so den 2010 erstmals präsentierten Packard-Bentley mit dem Namen "Mavis". Das Einzelstück auf einem Bentley 8-Liter Chassis befeuert ein Packard-Bootsmotor aus dem zweiten Weltkrieg. Der 42-l-V12 kommt auf 1.495 PS, 2.700 Nm und 24 Auspuffrohre. Gleich daneben „The Ultimate Laxative“, ein Napier-Bentley, in dessen 8-Liter Chassis ein 24-Liter-Napier-Sea-Lion-W12 mit etwa 550 PS sitzt. Fernern steuerte das Brooklands Museum einen 24-Liter-Napier-Railton Langstrecken-Rekordwagen aus dem Jahr 1933 bei.
Prächtige Sonderausstellungen gab es ebenfalls zu bestaunen, höchst beeindruckend die historischen Nutzfahrzeuge: VW-Busse, FK 1000, Fiat Multipla, VW Fridolin, Tempo Dreirad und der Opel Lieferwagen eines berühmten Kräuterbitterproduzenten. Ein Stück weiter die Stars und Stripes, US Cars liebevoll unterm Fähnchenzelt wie beim Klischeehändler geparkt, dahinter Diner, Barbier und und die Dyck Salt Flats. Alles da – von Flosse über Muscle bis Hot Rod und Dragster. Zum Filmset wandelte sich die Rundstrecke, als der legendäre „Bullitt“ Mustang sich eine Verfolgungsjagd mit dem originalen Dodge Charger R/T lieferte. Auch Nicolas Cages originale Eleanor aus „Gone in 60 Seconds“ musste auf dem Dreieckskurs den Häschern – in Form von amerikanischen Polizeiwagen – entkommen.
Noch existente Hersteller nutzten die Gelegenheit, vor Ort selbst einige Klassiker zu präsentieren, sei es Jaguar-Land Rover, Mercedes-Benz, Audi, der Fiat-Konzern oder eben Ford. Unser Gastgeber freute sich über ein halbes Jahrhundert RS-Modelle und den kompakten Escort. Beim diesbezüglichen Ehrenlauf im von uns aus der Ford Classic Sammlung überführten Sierra RS Cosworth ging es züchtig zu, doch so hatten ein Großteil der gut 40.000 Gäste eine gute Gelegenheit, sich den Riesenflügel des Homologationswagens gut einzuprägen. Denn als wenig später die DTM-Veteranen – darunter auch Klaus Ludwigs Sierra-Meisterwagen – über den Parcours dröhnten, blieb keine Gelegenheit dazu. Es folgten die letzten Dinosaurier in Gestalt einer Truppe American LaFrance Sportwagen, dann kernige Italiener, schließlich Porsche 914-6, 911 RS, 956 und 962 - allesamt in oranger Jägermeister-Livree. Es blieb das gute Gefühl, die hier und da als „Deutsches Goodwood“ bezeichnete Veranstaltung habe diesen Ritterschlag nicht umsonst erhalten.

Arild Eichbaums Bilderschau
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