Ein Saviem-Renault S45 der letzten Produktionsphase (bis 1993) gehört auch zur Sammlung. Hier in den "alten" Farben der "Transports du Pays Roussillonnais" und in der Ausführung als Schul- und Überlandlinienbus.
Foto: Oldtimerreporter.Müller


Sammeln. Eine höchst menschliche Beschäftigung, deren Ergebnisse sich in unterschiedlichster Form präsentieren: Mal als undurchschaubares Chaos einer aus dem Ruder gelaufenen Leidenschaft, mal gut strukturierte Aufstellung des Liebling-Sammelobjektes, mal irgendetwas dazwischen. Bücher, Musik, Briefmarken, Busse… der Sammelobjekte sind viele. Busse? Ja, Sie haben richtig gelesen, Busse. Alte Busse, wohlgemerkt. Ein rühriger Automobilclub aus dem Elsass hat es sich zur Aufgabe gemacht, alten Omnibussen aller Arten und Marken ein neues Zuhause zu geben.

Auf dass sie einen friedvollen Lebensabend an einem trockenen Plätzchen haben können, oder sogar durch eine Restauration zu einem neuen Frühling erweckt werden können. Der Club Autocars Anciens de France (AAF), so der Name des Vereins, ist seit der Gründung 2007 im Laufe der Jahre in den Besitz von 128 historischen Omnibussen und Nutzfahrzeugen gelangt. Eine solch große Anzahl von Fahrzeugen lässt sich verständlicherweise nicht auf einzelne Hallen verteilt unterbringen. So quartierte sich der AAF in den Hallen einer ehemaligen Metallfabrik im elsässischen Wissembourg ein. Dort werden die NFZ-Schätze unter der Leitung des Vereinsvorsitzenden Jean-Louis Eschenlauer sorgsam und mit großem Engagement gepflegt. Schließlich haben sie alle ihre automobilen Bedürfnisse, egal ob nun ein verhältnismäßig neues Fahrzeug wie ein 1981er Setra S215 oder ein Vorkriegs-Citroën-Omnibus.
Mit einem simplen Ölwechsel ist es da eher selten getan, des Öfteren braucht es auch ein großes Schweißgerät, um die Schäden der Jahrzehnte zu beheben. Eine erkleckliche Anzahl der etwa 200 Mitglieder trifft sich regelmäßig zu Schrauber-Tagen und arbeitet nach einem genauen Plan die „Baustellen“ an den einzelnen Fahrzeugen ab. Nicht alle Mitglieder können zu diesen Tagen anreisen, hätten sie doch dazu zum Teil erhebliche Entfernungen zurückzulegen. Merke: Aus Japan oder den USA reist man nicht mit einem Fingerschnipp ins Elsass. Etwas näher hat es da ein berühmtes Vorstandmitglied des Vereins: Kein Geringerer als Konrad Auwärter hat dieses Amt inne.

Ein Rundgang durch die Hallen des AAF lässt das Herz eines jeden Oldtimerbus-Fans höherschlagen. Eine faszinierende Sammlung des Zeitkolorits verschiedener Jahrzehnte ist da zu sehen, vom 1938er Renault TN4 über den 1960er Mercedes O321 zum Setra der 70er-Jahre, alles ist vertreten. Renault-Saviem? Selbstverständlich. Citroën Belphégor-Bus? Bien sur, sogar zweifach. Und, und, und…
Trotz allen ehrenamtlichen Engagements der Mitglieder entstehen natürlich Kosten für den Betrieb dieser Busse. Diese werden mit Eventfahrten zu Hochzeiten, Firmenjubiläen o.ä. gedeckt. Der geneigte Kunde kann sich also aus dem Pool der fahrbereiten Busse ein Exemplar aussuchen, dass er dann mit Fahrer mieten kann.

Viel Arbeit, viel Freude für den AAF – und eigentlich wenig Hindernisse. Oder doch? Man soll es nicht glauben, in manchen fahrzeugtechnischen Angelegenheiten ist der französische Staat strikter als der deutsche Nachbar. So verlangt die französische Zulassungsverordnung, dass ein Oldtimer-Bus streng original ausgerüstet sein muss. Einen Motor mit 110PS statt original 100? Non, Zulassung unmöglich! Um diese Komplikationen umgehen zu können und aus Kapazitätsgründen hat sich der AAF etwas einfallen lassen: Die Gründung des DFO = Deutsch-Französische Omnibusse e. V. Dieser Verein aus dem grenznahen Oberotterbach ist die deutsche Schwesterorganisation des AAF.
Unter der Leitung von Ehrenpräsident Konrad Auwärter, des Vorsitzenden Jean-Louis Eschenlauer und des Vizepräsidenten Wolfgang Bruckert organisiert man Fahrten und „Heimtransporte“ von gespendeten Alt-Omnibussen. Am Ende bleibt festzustellen, dass Wissembourg nicht nur wegen seiner schönen Häuser eine Reise wert ist, sondern auch wegen seiner schönen Busse. Bon voyage…