Unterwegs in Köpenick: Karsten Uthers Schlaf- und Transportanhänger am KLF.
Foto: oldtimerreporter.Haehnel


Frisch poliert und lecker steht am Rande Berlins ein feuerroter Barkas mit Nachläufer, sozusagen ein süßes Pärchen Kirschen. Bloß nicht am Lack lecken, dachte ich mir und begrüßte Karsten Uther, den Besitzer des Gespanns. Im ersten Augenblick sieht das ja aus, als ob die Feuerwehr den Kommandowagen Urlaub und Freizeit durch die Gegend schickt. Was ist es denn nun wirklich?
Das Zugfahrzeug war tatsächlich ein in die Jahre gekommenes Barkas B 1000 KLF, was soviel heißt wie „Klein-Lösch-Fahrzeug“. Ersteigert wurde das im Jahre 1975 geschmiedete Feuerwehrgefährt für 431.- € bei eBay. Dies alles geschah...

2002. Die Freiwillige Feuerwehr Anklam hatte den Erstbesitz. Der Werdegang ist lückenlos und akribisch geführt und kann bis zum 4. und vorerst letzten Voreigentümer nachgewiesen werden. „Ich möchte das Gespann noch bis zur Rente fahren und darüber hinaus“, sagt der Besitzer. 
Geschliffen, gespachtelt, grundiert - Karosseriekonservierung für die Ewigkeit?
Fotos: privat


Karsten Uther kramt im Fotoalbum, das er aus der riesigen Halle herbeigezaubert hat, in der noch andere „Barkassen“ stehen. Knisternd öffnen sich die maroden Seiten der in Klarsichthüllen eingeschlagenen Fotos und geben ein leicht batikartiges Erscheinungsbild des Werdegangs zur Ansicht. „Mist! Alles nass geworden, aber wenn Sie wollen, schicke ich Ihnen die Fotos per Mail.“ Immer gerne, sage ich und schaue in die tiefenentspannten Augen des Diplomsozialpädagogen.
Die Halle befindet sich in Mitten eines Waldes auf dem Gelände einer ehemaligen Milch-LPG. Heute dient die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft abseits allen Lärms nur noch den unterschiedlichsten Fahrzeugbastlern, die nötigenfalls den Bio-Lärm der Vögel mittels Hammer und Trennscheibe übertönen. „Ist es nicht schön hier?“fragt der Familienvater und sammelt so nebenbei sein kleines Töchterlein ein, das mit Fahrradhelm bewaffnet einen leeren Ölkanister durch die Gegend schleppt.

Endzustand: Einfach, praktisch, gut! Der Restaurator ist's zufrieden und verspricht lebenslange Treue!                                                         Fotos: oldtimerreporter.Louis


Mich interessiert natürlich brennend, was es mit dem Anhänger auf sich hat. War er einst für eine Tragkraftspritze konzipiert und ist nun zum Wohnanhänger gereift? „Nein, es war ein Bestattungsanhänger und ist jetzt ein Schlaf- und Transportanhänger, den ich 2003 für 200.- €, vermutlich aus Fünftbesitz, erworben habe“.  Nun ja, dachte ich mir, da muss man schon schmerzfrei sein.
Der „Knupper“ ist auf Barkas-B-1000-Basis in dieser Bauweise einzigartig. „Zusammengeschustert aus mindestens 3 Fahrzeugen“, erzählt mir der Bastler, der gerne zweimal im Jahr zu Oldtimerausstellungen fährt, „haben wir auch 3 Schichten unterschiedlichen Lackes entdeckt.Und auch die Stoßstangenaufhängungen sprechen dafür, dass er aus mehreren Fahrzeugen besteht, da sie sich voneinander unterscheiden.“ Jahrelang musste das Unikat wiederbelebt werden. Mit blau bespannten Multifunktionssitzen in der Zugmaschine und einem wunderbar verkleideten Himmel im Anhänger wiederfuhr dem mit Bastei-Deichsel ausgestatteten Nachläufer mit seiner Wiederzulassung im Jahr 2006 die Wiedergeburt. „Es gibt noch andere Abarten von barkasbasiertern Anhängern, aber keinen wie diesen“
Karsten Uther kennt sich aus, das merkt man. Und ich denke, nur mit einer solchen Hingabe zum Objekt lässt sich auch seine Leidenschaft zum Blech erklären. Vater, Mutter und drei Mädels erfreuen sich seitdem vieler schöner Stunden, die sie mit dem Gespann verbracht haben, auch wenn sich der Restaurator gerne mal alleine zu Ausstellungen auf den Weg macht - das muss schon mal sein. Knatternd und „töffend“ setzt sich das Zweitakt-Gespann mit blauer Dunstfahne zum Fototermin in Bewegung und verschwindet im Wald der stillgelegten LPG.